Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 12 (Dezember 1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 478 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2744856-2744869-2744882--0921-2745877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
478 Allgemeine theologische Bibliographie. waren. Sie ließ daher ihr Eigenthum so lange in Beschlag nehmen, bis ihre Schulden abgetragen sein würden. Es. ist in der That auffallend, daß der Rechnungsabschluß zum Nachtheile eines Volkes ausfallen sollte, das überall wegen seiner Klugheit und seiner Hülfsmittel im Handel und Wandel bekannt war, und das als Geschäftsführer des hohen Adels und als Pachter der Einkünfte, in Spanien wenigstens, gleiche Vortheile mit denen genoß, die in anderen Ländern zu Anhäufung voZi Reichthum dienen r). Während die trüben Aussichten für ihre Vermögensumstände das Herz der Israeliten schwer darniederdrückten, war die spanische Geistlichkeit unermüdlich thätig in ihrem Bekehrungswerke. Sie hielt in den Synagogen und auf den öffentlichen Plätzen Vorträge, worin sie die Lehren des Christenthums auseinandersetzte und mit Beweisgründen und Schmähreden gegen die hebräische Ketzerei donnerte. Aber ihren löblichen Bestrebungen hielt die gewichtigere Redekunst der jüdischen Rabbiner großentheils das Gegengewicht, welche die Verfolgung ihrer Brüder mit den von ihren Vorfahren unter Pharao erduldeten Leiden verglichen. Sie munterten sie zur Beharrlichkeit auf, indem sie ihnen vorstellten, daß die gegenwärtigen Trübsale von dem Allmächtigen als eine Prüfung ihres Glaubens über sie verhängt seien, daß er beabsichtige*), sie auf diese Weise ins gelobte Land zu führen, indem er ihnen einen Weg durch die Gewässer öffne, wie er es an den Vätern vor Alters gethan. So gestärkt gab es nur Wenige, die, als der Tag ihres Auszuges herankam, nicht vorbereitet gewesen wären, lieber ihr Vaterland als ihre Religion zu verlassen. Dieser außerordentliche Beweis von Selbstverleugnung eines ganzen Volkes um des Gewissens willen mag wohl im 19. Jahrhundert andere Benennungen als „Treulosigkeit, Unglauben und halsstarriger'Eigenflnn" verdienen, womit s) Bernaldez 1. I. cap. 10. Zurita Anales V, 9. — Die Zahl der Synagogen in Aragonien im I. 1482 gibt Capmany auf 19 an. In Galicien befanden sich zur nämlichen Zeit nur drei, und in Catalonien nur eine. S. Mem. de Barcelona IV. apend. num. 11. (Wir muffen hier abermals sehr bedauern, nicht im Besitze des Originals zu sein, da der letzte Satz des Textes in der Uebersetzung fast unverständlich ist. Zu dem Verbote der Ausfuhr von Gold und Silber bemerken wir übrigens, daß vuch Waffen mitzuführen den Auswandernden verboten gewesen zu sein scheint, da sie sich sonst wohl nicht von den africanischen Beduinen hatten ausplündern und niedermetzeln lassen. Vergl. weiter. Die spanischen Schriftsteller schweigen über das Verbot der Waffen. F.) *)', Muß sein „vermöge"; dieses ist die Weise, wie die Rabbiner stets Trost spendeten und Hum Vertrauen aufforderten, aber nie durch bestimmte Voraussagungen die Gottheit versuchten. Es ist daher auch leicht zu ersehen, welche Bewandtniß es mit dem weiter folgenden Berichte spanischer Geschichtschreiber habe, die Juden haben lange zu Santa Maria und Cadir in der Hoffnung auf ErjMung der Verheißung ihrer Rabbiner ff. verweilt. Würden diese solche Verheißungen gemacht haben, wie vielen der Getauschten Ware das fernere Vertrauen und der Muth, neue Leiden zu ertragen, gefunken! Abarbanel berichtet a. a. O. einfach: „Sie stärkten sich unter einander bei ihrer traurigen Auswanderung und sprachen, wird man uns leben lassen, gut: werden sie uns tödten, so wollen wir sterben; aber von unserm Bunde mit Gott lassen wir nicht und in seinem Namen wollen wir gehen." F.