Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 12 (Dezember 1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 477 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 477 und diese Erziehung und ihr Reichtbum veranlaßte sie oft, sich wissenschaftlichen Bestrebungen zu widmen, wodurch ihr Charakter allerdings veredelt, sie aber auch empfindlicher gegen körperliche Beschwerden und weniger geeignet wurden, den Gefahren und Entbehrungen ihrer Auswanderung Trotz zu bieten. Selbst die Masse des gemeinen Volkes befass Geschicklichkeit in verschiedenen Handwerken, die ihnen ein gemächliches Auskommen verschaffte und sie weit höher stellte als ähnliche Stände unter den meisten anderen Völkern, die dem Boden, auf den der Zufall sie geworfen, leicht wieder entnommen (!) werden können, ohne ein verhältnißmäßig großes Opfer zu bringen e). Diese Bande waren nun mit einem Hiebe getrennt. Sie sollten als Verbannte ihr Geburtsland verlassen; das Land, wo Alles, was sie je geliebt, gelebt hatte oder gestorben war; das Land, das nicht sowohl sich ihrer angenommen hatte, sondern das sie als Erben überkommen; das Jahrhunderte lang die Heimath ihrer Väter gewesen und mit dessen Wohlstand und Ruhm sie natürlich eben so innig verflochten waren, wie irgend ein früherer Spanier. Sie sollten hüls- und schutzlos mit dem Brandmal der Schmach unter Völker ausgestoßen werden, denen sie stets ein Gegenstand des Spottes und des Hasses gewesen waren. Die in dem Ausschreiben enthaltenen Vorkehrungen,, die einen Anschein von Milde gegen die Juden annahmen, waren so getroffen, daß sie fast gar keine Bedeutung hatten. Da ihnen die Ausfuhr von Gold und Silber verboten war, blieben nur Wechsel als das einzige Darstellungsmittel ihres Eigenthums übrig; allein der Handelsverkehr war zu beschrankt und unvollkommen, um sich dergleichen schnell in irgend einem beträchtlichen, geschweige in einem so ungeheuren Belauf zu verschaffen, als jetzt nöthig war. Ueberdies war es unmöglich, einen Verkauf ihrer Habseligkeiten unter den obwaltenden Umständen zu bewirken, da der Markt bald mit Maaren'überfüllt war; auch hatten sich nur Wenige gefunden, für Sachen den angemessenen Werth zu zahlen, die, wenn sie nicht in der vorgeschriebenen Frist veräußert wurden, die Eigenthümer um jeden Preis lassen mußten. Auch würde das Eigenthum auf eine so beklagenswerthe Weise verschleudert, daß, wie ein damaliger Zeitgeschichtsschreiber anführt*), er gesehen habe, daß ein Haus gegen einen Esel und ein Weinberg gegen einen Anzug vertauscht wurde! —In Aragonien ging es noch schlimmer. Die dortige Regierung entdeckte, daß die Juden einzelnen Leuten und gewissen Körperschaften bedeutende Geldsummen schuldig andern, der es selbst bis zu zehn gebracht haben soll. Er erwähnt besonders eines Einzelnen, Namens Abraham, der den größer» Theil von Castilien in Pacht hatte. Diese Angabe des guten Pfarrers dürste wohl nicht buchstäblich zu nehmen sein! S. Reyes catol. MS. cap. 112. e) Bernaldez 1. I. *) Bernaldez. Vgl. bei Llorente S. 261.