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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 475

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 475 (sequence 29)
Language
German
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Allgemeine theologische Bibliographie. 475 ist er, nehmet ihn und verhandelt ihn." Bei diesen Worten warf der rasende Priester das Crucifir auf den Tisch und verließ das Zimmer. Statt diese Anmaßung zu züchtigen oder als einen Ausbruch von Wahnsinn zu verachten, wurden die Herrscher vielmehr dadurch in Schrecken versetzt. Weder Ferdinand, moch Jsabella, waren sie der unbefangenen Vorschrift ihrer eigenen Vernunft gefolgt, würden auch nur einen Augenblick eine so unkluge Maßregel genehmigt haben, die sie des fleißigsten und geschicktesten Theils ih-' rer Unterthanen beraubte. Besonders widerstrebte sie durch ihre Ungerechtigkeit und Grausamkeit der menschlichen Gesinnung der Königinb). Aber sie toar schon zeitig gelehrt worden, in Gewissenssachen ihrer eigenen Vernunft und sogar den natürlichen Einflüssen der Menschlichkeit zu mißtrauen. Zu den würdigen Rathgebern, auf welche sie sich in solchen Sachen am meisten verließ, gehörte der Dominicaner Torquemada. Die Stellung, welche dieser Mann als Beichtvater der Königin wahrend ihres zarten Jugendalters einnahm, gab ihm einen Einfluß auf ihr Gemüth, der einem Menschen von seiner harten glaubenswüthigen Gesinnung, trotz des Gewinnes aus dieser geistlichen Verbindung, wenn sie in einem spatern Lebensalter entstanden wäre, hatte versagt werden müssen. Ohne sich den so nachdrücklich ausgesprochenen Vorstellungen der heiligen Personen, denen sie das höchste Vertrauen schenkte, ferner zu widersetzen, brachte Jsabella zuletzt ihre eigenen Bedenken zum Schweigen, und willigte in die unselige Maßregel der Verbannung *). Der Befehl zur Austreibung der Juden ward von den Herrschern am 30. März 1492 zu Granada unterzeichnet. Die Einleitung führt als Veranlassung zu der Maßregel die Gefahr an, den ferneren Verkehr zwischen ihren christlichen und jüdischen Unterthanen zu gestatten, wegen der unverbesb) Illorente I. chap. 7. sec. 5.—In einem Briefe Pulgar's an den Cardinal von Spanien,' worin derselbe sich strengtadelnd über den Inhalt gewisser obrigkeitlicher Verordnungen von 1482 gegen die Juden von Guispiscoa und Toledo ausspricht, gibt er deutlich zu verstehen, daß sie der Königin gar nicht gefielen." S. Petras (Amsterdam 1670) let. 31. *) So sehr Prescott Jsabella zu entschuldigen versucht und fie nur nach langem Bedenken ihre „Einwilligung" geben laßt, so stellt sich uns aus dem Berichte des Abarbanel, der keine Veranlassung gehabt hatte, den wahren Hrrgang zu verbergen, ein ganz anderes Resultat heraus. Abarbanel war der „Einer aus ihrer Mitte", der beim König für seine unglücklichen Glaubensgenossen bat. Er selbst erzählt in der Einleitung zu seinem Commentar zum Buche der Könige, daß er früher beim König wohlgelitten war und ein ansehnliches Amt bekleidete. Nach der Eroberung von Granada kam der schreckliche Befehl zur Austreibung der Juden aus Spanien, Sicilien, Majorca und Sardinien. (Ueber Sicilien vergl. Zunz zur Geschichte und Literatur, 1. Thl. S. 525 ff.) Abarbanel wandte sich mit inständigen Bitten zwei-, dreimal an den Köllig, und auch mehrere Granden thaten Vorbitte; aber Alles vergebens; „denn die Königin stand den Indien feindlich gesinnt neben dem König und gewann i h n d u r ch i h re W o r t e." —- Von dem obigen Eintritte Torquemada's und seinem fanatischen Hinwerfen des Crucifires thut Abarbanel keine Erwähnung; daher das Ganze als eine Erfindung, wenigstens in der Weise wie es oben erzählt ist, zu betrachten sein dürfte.

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