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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 474

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 474 (sequence 28)
Language
German
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474 Allgemeine theologische Bibliographie. felhaster Art waren, wahrend die große Masse beharrlich bei ihren alten Jrrthümern blieb. Unter diesen Umständen wurde der Volkshaß, dem das Mißvergnügen der Geistlichen über den Widerstand, auf den sie in ihrem Bekehrungswerke stieß, noch steigerte, allmalig stärker und stärker gegen die unglücklichen Israeliten. Alte Ueberlieferungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert wurden wieder hervorgesucht und dem gegenwärtigen Geschlecht zur Last gelegt, mit allen Einzelnheiten inBezug auf Ort und That. Man sagte, daß christlicheKinder gestohlen würden, um sie zurVerspottung des Heilands zu kreuzigen; man sprengte aus, daß die Hostie der gröbsten Unwürdigkeit preisgegeben werde; undÄerzte und Apotheker, deren Kunst die Juden im Mittelalter vorzüglich trieben, wurden beschuldigt,' ihre christlichen Kranken zu vergiften. Kein Gerücht war zu unsinnig für die Leichtgläubigkeit des Volkes. Man beschuldigte die Israeliten des wahrscheinlichern (!) Vergehens, dahin zu streben, die alten Christen zu ihrem Glauben zu bekehren, sowie diejenigen ihres Geschlechts wieder zurückzubringen, die neuerlich erst zum Christenthume übergegangen waren. Ein großes Aergerniß gaben auch die Verheirathungen, welche noch zuweilen zwischen Juden und Christen stattfanden; indem die Letzteren sich herabließen, ihren verfallenen Vermögensmnständen durch diese reichen Verbindungen aufzuhelfen, obgleich sie dabei die gepriesene Reinheit ihres Blutes zum Opfer brachten. Diese verschiedenen Vergehungen wurden gegen die Juden mit großer Hartnäckigkeit von ihren Feinden geltend gemacht und man bestürmte die Herrscher, strengere Maßregeln zu ergreifen. Die Ketzerrichter besonders, die mit dem Werke der Bekehrung vorzugsweise beauftragt waren, stellten vor, daß alle milden Maßregeln zur Erreichung des Endzwecks unzureichend seien. Sie versicherten, der einzig übrig bleibende Weg zur Ausrottung der Ketzerei sei der, die Nachkommenschaft zu vertilgen; und sie verlangten dreist die unmittelbare und gänzliche Verbannung jedes ungetansten Juden aus dem Lande *)• Die Juden, welche einen Wink von diesen Vorgängen erhalten hatten/ nahmen zu ihrer gewohnten schlauen Handlungsweise, die Herrscher für sich zu gewinnen, ihre Zuflucht. Sie beauftragten Einen aus ihrer Mitte, ein Geschenk von 30,000 Ducaten zur Bestreitung der Kosten des Maurenkrieges anzubieten. Doch die Unterhandlungen wurden durch den Oberketzerrichter Torquemada plötzlich abgebrochen, der in das Zimmer des Schlosses trat, worin die Herrscher eben dem jüdischen Abgeordneten Gehör gaben, und indem er das Crucifir unter seinem Mantel hervorzog, hielt er es in die Höhe und rief: „Judas Jschariot hat seinen Meister für 30 Silberlinge verkauft. Eure Majestäten wollen ihn von Neuem für 30,000 Ducaten verkaufen; hier a) Paramo de orig. Inquisitionis.

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