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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 472

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 472 (sequence 26)
Language
German
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472 Allgemeine theologische Bibliographie. soeben begriffen waren, ihrem Eifer für den Glauben zu, und verhieß ihnen ähnliche für die Folge. Im Laufe desselben Jahres erließ er zwei Breves, wodurch er Thomas de Torquemada zum Großinquisitor von Castilien und Aragonien ernannte und ihn mit unumschränkter Vollmacht versah, eine neue Verfassung für das heilige Amt zu stiften (2. August und 17. Oktober 1483). Dies war die Entstehung jenes schrecklichen Gerichtshofes der spanischen oder neuern Inquisition, die den meisten Lesern entweder aus der Geschichte oder aus Romanen bekannt ist, und die drei Jahrhunderte hindurch ihre ejserne Gewalt über die Lander von Spanien und Portugal ausgedehnt hatx). Es ist merkwürdig, daß eine so scheußliche Anstalt, wie die Inquisition, die dem Fortschritte der Wissenschaft wahrscheinlich das größte, jemals erlebte Hinderniß in den Weg gestellt hat, zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts wieder aufleben sollte, wo das Licht der sittlichen Bildung sich so schnell über ganz Europa zu verbreiten begann. Noch merkwürdiger ist es, daß es in Spanien geschah, das damals unter einer Regierung stand, die bei mehr als einer Gelegenheit große religiöse Unabhängigkeit gezeigt, allgemeine Achtung von den Rechten ihrer Unterthanen bewahrt und eine hochherzige Staatsklugheit in Bezug auf ihre geistige Bildung an den Tag gelegt hatte *). Wo, möchten wir fragen, wenn wir die Verfolgung eines unschuldigen, gewerbthätigen Volkes sehen wegen des Verbrechens an dem Glauben seiner Vorfahren zu hangen, wo war die Menschenliebe geblieben, die den alten Castilianer antrieb, Much und Tugend in einem Ungläubigen zu achten, obgleich er sein Feind war? Wo die ritterliche Hingebung, die den König von Aragonien-drei Jahrhunderte früher vermochte, fein Leben zur Vertheidigung der verfolgten Sectirer der Provence hinzugeben? Wo der unabhängige Sinn, der ven castilianiscken Edelleuten noch unter der letzten Regierung eingab, die beabsichtigte Dazwischenkunft des Papstes in ihren Angelegenheiten mit Verachtung von sich zu weisen, daß sie jetzt dahin gekommen waren, ihren Nacken z) Marineo 1.1. 164. Zuniga 1. 1.396. Pulgar Reyes catolicos part. IT. cap. 77. Garibay Compendio II. lib. 18. cap. 17. ' Paramo de origine Inquisitionis lib. 2. tit. 2. cap. 2. Llorente 1. 1. I, 163—173. (Prescott erzählt nun von der listigen und treulosen Weise, wie die. Jnquisttionsrichter die Verhöre anstellten, von der Behandlung der Eingekerkerten, von der Bestrafung und den Auto-da-Fes, worüber noch ausführlicher Llorente a. a. O. S.289—330 handelt. Da aber diese '.Vittheilungen, so. sehr interessant sie sind, nicht zu diesem Auszüge, der die Vertreibung der Inden aus Spanien zum Vorwurf hat, gehören, so mußten sie hier übergangen werden. F.) *) Das Staunen über die Einwilligung der Regierung zur Einführung der Inquisition schwindet ziemlich, wenn man, was Jsabella anbelangt, auf ihren Bigotismus, der, wie Prescott selbst berichtet, von einem Torquemada noch gesteigert wurde, hinblickt; und hinsichtlich Ferdinands erkennt man aus weiter zu erwähnenden Zügen von seinen .,NegegtenLugenden" deutlich, daß ihm die Inquisition, in welcher er ein Mittel zur Befriedigung seiner Habsucht und zur Einführung eines eisernen Terrorismus, der Cortes und Volk in den Staub trete, zu erblicken hoffte, willkommen war. F.

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