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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 471

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 471 (sequence 25)
Language
German
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Allgemeine theologische Bibliographie. 47t Die Pest, welche Sevilla in diesem Jahre verwüstete und 15,000 Einwohner dahinraffte, als wollte der Himmel dadurch seinen Zorn über diese Abscheulichkeiten offenbaren, lähmte den Arm der Inquisition nicht einen Augenblick, sondern diese setzte, nach Araeena übersiedelnd, ihre Thätigkeit eben so unermüdlich fort wie vorher. Aehnliche Verfolgungen fanden in anderen Theilen der Landschaft Andalusien statt; so daß innerhalb des nämlichen Jahres 1481 die Zahl der Dulder geschätzt wurde auf 2000 lebendige, eine noch größere Zahl im Bilde Verbrannter und 17000 Versöhnter; ein Ausdruck, der von dem Leser nicht so verstanden werden muß, als bedeute er eine Verzeihung oder allgemeine Vergebung, sondern nur die Aenderung der Todesstrafe in geringere Strafen, als Geldbußen, bürgerlichen Tod, gänzliche Einziehung des Eigenthums und nicht selten lebenslängliches Gefängniß x). Die Juden waren bestürzt über den Blitz, der sie so unerwartet getroffen hatte. Einigen gelang es, nach Granada, Anderen nach Frankreich, Deutschland oder Italien zu entfliehen, wo sie gegen die Entscheidungen des heiligen Amtes beim Papste Berufung *) einlegteny). — Sirtus IV. scheint einen Augenblick etwas wie Gewissensbisse empfunden zu haben; denn er tadelte den ungemäßigten Eifer der Ketzerrichter und drohete ihnen mit Absetzung. Doch waren diese Gefühle dem Anscheine nach nur vorübergehend; denn im Jahre 1483 finden wir, daß der nämliche Papst die Bedenken Jfabella's wegen Aneignung des eingezogenen Eigenthums beschwichtigte und beide Herrscher aufmunterte, in dem großen Werke der Reinigung fortzufahren, indem er sich verwegen auf das Beispiel Jesu Christi beziehet, der, sagt er, sein Reich auf Erden durch Zerstörung des Götzendienstes befestigte; und schließlich schreibt er ihre Erfolge in dem maurischen Kriege, in welchem sie x) L Marineo 1. 1. 164. Bernaldez c. 44. Mariana lib. 24. cap. 17. Llorente 1. 1. — Marineo verth eilt die 2000 Hinrichtungen auf mehrere Jahre. Er zahlt das verschiedenartige, strenge Verfahren des Heiligen Amtes in folgenden zierlichen Ausdrücken auf. „Die Kirche, welche die Mutter der Gnade und die Quelle der Barmherzigkeit ist, begnügt sich damit, Strafen aufzulegen und schenkt großmüthkg so Manchem das Leben, der es nicht verdient. Wahrend sie Diejenigen, die hartnäckig in ihren Jrrthümern verharren, nachdem sie auf die Aussage glaubwürdiger Zeugen eingekerkert wurden, auf die Folter spannen und zum Feuertode verurtheilen laßt, kommen Einige elend um, indem sie ihre Jrrthümer beweinen und den Namen Christi anrufen, wahrend Andere zu Moses rufen. Viele wiederum, die aufrichtige Reue bezeigen, verurtheilt sie, ungeachtet der Gehässigkeit ihrer Vergehungen, nur zu ewigem Gefängnisse." Darin bestand die zärtliche Gnade der spanischen Inquisition! *) Muß wohl heißen „Einspruch." y) Bernaldez (1. 1. cap. 44) führt an, daß die Thore von Sevilla mit Wachen besetzt wurden, um die Auswanderung der jüdischen Einwohner zu verhindern, die bei Todesstrafe verboten war. Das Ketzergericht drohete ihnen indeß mit größeren Schrecken, und Vielen gelang es, zu entfliehen.

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