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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 470

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 470 (sequence 24)
Language
German
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470 Allgemeine theologische Bibliographie. Die Ketzerrichter wendeten das listige und ungerade Verfahren des alten Gerichtshofes an *), und gingen mit einer Eile zu Werke, welche zeigt, daß sie selbst vor den gesetzlichen Formen, die sie zur Schau trugen, wenig Achtung hegten. Am sechsten Tage des Januars wurden sechs überführte Missethäter an den Galgen geknüpft. Siebzehn andere wurden im Marz hingerichtet und eine noch größere Anzahl im folgenden Monate, und bis zum 4.-November desselben Jahres waren nicht weniger als zweihundert neun und achtzig in den Auto-da-Fe's in Sevilla geopfert worden. Außer diesen wurden die modernden Gebeine Einiger, die erst nach ihrem Tode vor Gericht gestellt und überführt worden waren, mit hyänengleicher Wuth aus ihren Gräbern gerissen, womit sich kein anderes Gericht, weder christliches, noch heidnisches, geschändet hat, und zum gemeinschaftlichen Scheiterhaufen verurtheilt. Dieser wurde auf einem Steingerüste in der Vorstadt aufgerichtet, an dessen vier Ecken die Bildsäulen von vier Propheten befestigt waren und die unglücklichen Schlachtopfer daran festgebunden. Der würdige Pfarrer von Los Palacios **) preist mit großer Wohlgefälligkeit diese Stelle, „wo die Ketzer verbrannt wurden und so lange brennen sollten, als nur noch einer zu finden fei" w). — Mehrere der Ueberführten waren Leute, die wegen ihrer Kenntnisse und Redlichkeit Achtung verdienten; und unter diesen nennt man drei Geistliche und Andere, die hohe richterliche oder obrigkeitliche Aemter bekleideten. Man bemerkte, daß das Schwert der Gerechtigkeit besonders die Reichen traf, denen man in Zeiten der Achtserklärung am schwersten verzeihet. her seine Verwandte oder Freunde zu einem Mahle einladet: man nennt dieses das Trennungsmahl." (Auch dem Judenthume unbekannt und, wie Llorente hierzu bemerkt, welch' ein weites Feld für den persönlichen Haß, denn welch' eine Menge Christen folgen auch diesem Gebrauche!). Art. 33. „Ob er an den Todten eine Lobrede gerichtet oder einige Trauerverse recitirt" (!). Art. 35. „Ob er sich hinter.die Thüre des'Verstorbenen zum Zeichen der Trauer gesetzt; und ob er um dessen Andenken zu ehren Fisch und Oliven statt Fleisch gegessen" u. dgl. mehr. F.) *) In einigen Theilen Spaniens bestand seit 1232 die Inquisition, und diese wird die altere genannt. Vgl. Llorente a. a. O. Cap. 3. F. **) Bernaldez. F. w) Bernaldez 1. I. Llorente p. I, 160. L. Marineo Cosas memorables 164. Der Ausdruck von Bernaldez in Bezug auf die vier Bildsäulen von dem „Quemadero, en que los quemavan“ ist so zweideutig, daß er auf den Zweifel geleitet hat, ob er sagen wollte, daß die zu Verbrennenden in den Bildsäulen eingeschloffen oder an denselben befestigt wurden. Llorente ist durch spatere Untersuchungen dazu gekommen, die erstere schreckliche Vermuthung, welche die fabelhafte Grausamkeit des Phalaris wahr gemacht hatte, zu verwerfen.—> Dieses Denkmal der Glaubenswuth schändete Sevilla noch bis 1810, wo es fortgeschafft wurde, um der Errichtung eines Festungswerkes gegen die Franzosen Platz zu machen. -

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