Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 12 (Dezember 1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 469 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 469 Die muthmaßlichen Beweise, die zur Beschuldigung des Judenthums gegen die Angeklagten angenommen wurden, sind so sonderbarer Art, daß einige derselben angeführt zu werden verdienen. Für eine große Wahrscheinlichkeit der Thatsache wurde angenommen, wenn der Gefangene bessere Kleider oder reinere Wasche am jüdischen Sabbat als an anderen Tagen der Woche trug; wenn er am Abend vorher kein Feuer bei sich im Hause hatte; wenn er mit Juden bei Tische saß oder Fleisch von Thieren aß, die von ihnen eigenhändig geschlachtet waren, oder ein gewisses Getränk trank, das von ihnen sehr geschätzt war*); wenn er einen Leichnam mit warmem Wasser wusch oder ihn sterbend mit dem Gesicht gegen die Wand kehrte**); oder endlich, wenn er seinen Kindern hebräische Namen gab: eine wunderlich grausame Annahme, da es schon durch ein Gesetz Heinrichs II. bei strenger Strafe verboten war, ihnen christliche Namen zu geben. Es muß ihm schwer gewesen sein, sich aus den Windungen dieses Widerspruches zu ziehen"). — Dies sind einige wenige von den Umständen, theilweise ihrer Natur nach rein zufällig/ theilweise die Frucht früherer, und auch nach einer aufrichtigen Bekehrung zum Christenthume vielleicht beibehaltener Gewohnheiten; alle aber unerheblich, aus denen peinliche Anklagen hergeleitet und worauf sie als begründet angenommen wurden v). schließt, mochte wohl der Verfolgte eben so herzlich einstimmen, wie der Unterdrücker. „Exsurge Domine; judica causam tuam; capite nobis vulpes“ („Stehe auf Herr; richte deine Sachen; fanget uns die Füchse", nach bekannten Bibelstellen). Zuuiga L I. 389. *) Diese Frage hat, wie sie hier gegeben.ist, keinen Sinn, da sie auf keine religiöse Uebung Bezug hat. Richtiger aber heißt es bei Llorente 1. 1. p. 156. „Ob er hat getrunken Wein, caser, ein Wort, abgeleitet von cascher, d. i. der nach jüdischem Gesetze bereitet wurde." F. **> Bei Llorente p. 158 ferner: „ob er ihm (dem Leichnam) hat lassen das Gesicht, die Schulter und andere Theile rasieren; ob er ihn hat begraben lassen in einem neuen Leintuch? mit Hosen, Hemd und Mantel; ob er ein Kiffen mit ungebrauchter Erde (de!a terre vierge) unter das Haupt oder ein Geldstück in den Mund gelegt"!!! - F. u) Ordenan^as reales lid, 8. tit. 3. ley. 26. v) Llorente 1. 1. 153— 159. (Llorente führt 37 Punkte an, aus denen man Verdacht gegen die neuen Christen schöpfte. Wir heben hier einige wegen ihrer Sonderbarkeit heraus. Art. 25. „Ob er hat seine Kinder sieben Tage nach der Geburt in ein Becken tauchen lassen, in das man Wasser, Gold, Silber, Perlsamen (de la semence de perle), Getreide, Gerste und andere Substanzen nach dem Gebrauche der Juden gegeben hatte und zu gleicher Zeit gewisse Worte gesprochen." (Wir finden einen solchen Gebrauch weder bei den spanischen Juden, noch ist er sonst im Judenthume bekannt.) Art. 28. „Ob er hat gemacht die Ruaya (soll wahrscheinlich sein Luaya), eine Ceremonie, welche darin bestehet, daß, wenn man eine Reise unternehmen will, man den Tag vor-