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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 466

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 466 (sequence 20)
Language
German
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466 Allgemeine theologische Bibliographie. Die Politik der römischen Kirche zu jener Zeit zeigte sich nicht nur in ihrer Verdrehung, einiger der einleuchtendsten Moralgrundsätze, sondern auch in der Abmahnung von jeder freien Forschung derselben, wegen deren man sich, ihrer Weisung gemäß, in Glaubenssachen unbedingt auf ihre geistlichen Rathgeber verlassen solle. Der in dieser Abstcht klüglich eingeführte Richterstuhl der Beichte warf, sowie er war, die ganze christliche Welt der Geistlichkeit zu Füßen, die, weit entfernt, stets vom Milden Geiste des Evangeliums beseelt zu sein, Voltaire's Vorwurf wahr machte, daß Beichtvater die Quelle der gewaltsamsten, von Fürsten katholischen Glaubens getroffenen Maßregelnsind. Jsabella's ernster Sinn sowohl wie ihre frühere Erziehung machten sie religiösen Einflüssen von selbst zugänglich. Ungeachtet der Unabhängigkeit, die sie in allen weltlichen Angelegenheiten zeigte, bekundete sie jedoch in geistlichen überall die größte Demuth und pflichtete Ln Allem, was sie für höhere Einsicht oder Heiligkeit hielt, ihren geistlichen Rathen nur allzu unbedingt bei*).-Unglücklicherweise war das Amt eines Beichtvaters in ihrem frühern Alter, bei Lebzeiten ihres Bruders Heinrich, einem Dominicanermönch, Thomas von Torquemada, übertragen, der, aus Altcastilien gebürtig, nachher zum Range eines Priors von Santa Cruz in Segovia stieg, und wegen der bedeutenden Rolle, die er im Trauerspiele der Inquisition spielte, sich zu schmählicher Unsterblichkeit vernrtheilt hat. Dieser Mann, der unter seinem Mönchsgewande mehr Stolz verbarg, als ein ganzes Kloster seines Ordens aufzuweisen gehabt hätte, war einer von jener Classe, bei denen Glaubenseifer für Religion gilt und die diesen Eifer durch wüthende Verfolgung Denjenigen offenbaren, deren Glaube von dem ihrigen abweicht; die sich für ihre Enthaltsamkeit von sinnlichen Genüssen dadurch entschädigen, daß sie jenen tödtlicheren Lastern des Herzens, als Stolz, Frömmelei und Unduldsamkeit, die Zügel schießen lassen, Eigenschaften, die der Tugend nicht weniger entgegen und der Gesellschaft in einem weit ausgedehntern Grade ^unheilbringend sind. Dieser Mensch hatte eifrig dahin gearbeitet, Jsabella's jungem Gemüthe, auf welches seine Stellung als Beichtvater ihm einen so bereitwilligen Zutritt verstattete, den nämlichen Geist der Glaubenswuth einzuhauchen, der in seinem eigenen flammte. Doch fand derselbe glücklicheruahme ist unrichtig in Bezug auf Castilien , wo uns die Thatsachen keine Gewähr leisten zur Annahme anderer Beweggründe, als religiösen Eifers. Der Charakter Ferdinand's im Allgemeinen, sowie die Umstande, unter welchen die Inquisition in Aragonien eingeführt ward, mögen die. Verbindung einer mehr weltlichen Politik mit jener Anstalt wohl rechtfertigen. *) Der Verfasser führt hier ein Beispiel der Demuth Jsabella's gegen ihre» Beichtvater Talavera an, welches wir, als nicht zu unserem Auszug gehörend, übergehen.

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