Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 12 (Dezember 1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 465 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 465 Es ist leicht begreiflich, daß bei diesem Gemische von Leichtgläubigkeit und Aberglauben sich bei den Castilianern ein geheimer Neid wegen der größern Geschicklichkeit und Betriebsamkeit, sowie wegen des daraus erwachsenden ^größer-n Reichthums ihrer jüdischen Landsleute erhalten mußte; auch darf man wohl dem Argwohn Raum geben, daß der Eifer der Rechtgläubigsten durch weltliche Beweggründe bedeutend geschärft wurde. —Dem sei nun wie ihm wolle, das Geschrei über die jüdischen Greuel wurde jetzt allgemein. Unter denen, die es am lautesten erhoben, waren Alfonso de Ojeda, ein Dominicaner, Prior des Klosters St. Paul zu Sevilla, und Don Diego de Merlo, Gerichtsbeisitzer dieser Stadt, denen der Lohn des Ruhmes nicht entzogen werden sollte, auf den sie durch ihre Bemühungen zur Errichtung der neuern Inquisition gerechte Ansprüche haben. Nachdem diese Menschen die beiden Herrscher gegen die beunruhigende Verbreitung des jüdischen Aussatzes in Andalusien aufgebracht hatten, verlangten sie laut, als einziges Mittel zur-Heilung desselben, die Einführung des „heiligen Amtes." Hierin wurden sie von Nicolo Franco, dem damaligen päpstlichen Nuntius am castilianischen Hofe, kräftig unterstützt. Ferdinand lieh einem Plane willig sein Ohr, der eine reiche Einnahmequelle erwarten ließ durch die damit in Verbindung stehenden Vermögenseinziehungen. Doch nicht so leicht war es, Jsabella's Widerwillen gegen Maßregeln zu überwinden, die dem natürlichen Wohlwollen und dem Edelmuthe ihres Charakters widerstrebten. Ihre Bedenken waren indeß mehr auf Gefühl als auf Vernunft gegründet, deren Stimme in Glaubenssachen zu jener Zeit wenig berücksichtigt ward, wo der gefährliche Grundsatz: „der Zweck heiligt das Mittel", allgemein angenommen war, und wo unterrichtete Gottesgelehrte ernstlich darüber stritten, ob es erlaubt sei, mit den Ungläubigen Frieden zu schließen/ ja selbst, ob ihnen gegebene Versprechungen für Christen bindend seien m). naldez eine sonderbare Probe seiner Logik ab. Doch bleibt immer auffallend, was die Anklage: „sie entfernten die Bewohner der Andachtshaufer mit Gewalt ff." zu bedeuten habe. Dieses scheint sich auf die „neuen Christen" zu beziehen, die vielleicht gezwungen ihre Kinder dem Klosterleben widmeten und sie dann wieder aus den Klöstern nahmen. Dann scheint der Ausdruck „Andachtshausern" von dem Uebersetzer übel gewählt. Ich besitze nicht das Original, " um es befragen zu können. F.) m) Bernaldez, Reyes catolicos MS. c. 43. Pulgar, Reyes catolicos part. II. cap. 77. Zuniga Anales de Sevilla, 386. Mem. de la acad. de hist. VI, 44. Llorente Histoire de PInquisition I, 143. 145. — Einige Schriftsteller sind geneigt, die spanische Inquisition in ihrem Ursprünge für wenig mehr als ein politisches Werkzeug zu halten. Gukzot sagt von diesem Gerichte in ei^ ner seiner Vorlesungen: „Elle contenait en germe ce qu’ eile est devenue; mais eile ne l’etait pas en commencant: eile fut d’abord plus politique que religieuse, et destinee ä maintenir l’ordre plutöt, qu’ä defendre la foi (Cours d’histoire moderne. Paris 1828—1830. V. lee. 11). Diese An- Frankel, Zeitschrift 11. 35