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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 462

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 462 (sequence 16)
Language
German
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462 Allgemeine theologische Bibliographie. Doch alle diese königliche. Gunst war unzureichend, den Juden Schutz zu gewähren, als ihr blühender Vermögenszustand hoch genug gestiegen war, um den Neid des Volkes zu erregen, der noch vergrößert wurde durch den prahlerischen Aufwand an Kleidung, Wagen und Pferden, wozu dieses sonderbare Volk trotz seines Geizes stets große Neigung gezeigt hat *). Man erzählte sich Geschichten von ihrer Verachtung des katholischen Gottesdienstes, von ihrer Entweihung der heiligsten Sinnbilder desselben und von ihrer Kreuzigung oder anderweitigen Opferung christlicher Kinder zur Feier ihres Osterfestes. Neben diesen tollen Verlaumdungen wurden die wahrscheinlichsten Beschuldigungen von Wucher und Erpressungen gegen sie hervorgebracht, bis zuletzt, gegen das Ende des 14. Jahrhunderts, der glaubenswüthige Pöbel auf mancherlei Weise von der nicht weniger wüthenden Geistlichkeit aufgeregt, vielleicht auch von der nicht geringen Anzahl von Schuldnern der Juden aufgemuntert, die darin eine bequeme Art, ihre Rechnungen abzuschließen, sahen, dieses unglückliche Volk in Castilien und Arragonien auf's Heftigste angriff. Man brach in ihre Hauser ein, drang mit Gewalt in ihre geheimsten heiligen Statten, streute ihre kostbaren Sammlungen und Gerathe'umher, und. beschloß, die unglücklichen Eigenthümer ohne Unterschied des Geschlechts und Alters zu ermorden s). In diesem entscheidenden Augenblicke blieb den Juden kein anderes Mittel, als sich wirklich oder scheinbar zum Christenthume zu bekehren. St. Vincenz Ferreri, ein Dominicaner aus Valencia, bewirkte zur Förderung dieser Absicht eine so große Menge Wunder, daß sie den Neid aller Heiligen im Kalender erregen könnten, und durch diese Wunder soll er, mit Hülfe seiner Ueberredungskunst, die Herzen von nicht weniger als 35,000 vom Stamme Israel bekehrt haben, was allerdings zum größten aller Wunder gerechnet werden muß. Die gesetzlichen Bestimmungen dieser Zeit, und noch mehr die unter Jo- Schatzmeister Peter des Grausamen, welcher der Habgier seines Herrn aufgeopfert ward, soll, nach Mariana, die unglaubliche Summe von 400,000 Ducaten hinterlaffen haben, die in den königlichen Schatz flössen. II, 82. - *) Dieser Vorwurf wird auch von jüd. spanischen Schriftstellern ihren Glaubensgenossen in Spanien gemacht, und kommt Salomon Berga in seinem Schebet Jehuda oft darauf zurück. F. g) Bernaldez, Heyes catolrcos. MS. c. 43. Mariana 1. I. II, 186. 187. — Im I. 1391 wurden 5000 Juden der Volkswuth geopfert, und nach Mariana kamen nicht weniger als 10,000, ungefähr 60 Jahre früher, in Navarra aus dem nämlichen Grunde um's Leben. Siehe 1, 912. (Vergl. Menachew den Serach, in dessen Zeda Laderech 16a, der von der Judenermordung zu Estella und anderen Orten Naöarra's im I. 5088 (1327—28) erzählt, wobei an 6000 Juden umkamen: und scheint hierauf letztere Nachricht des Mariana sich zu beziehen. F.)

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