Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-12-01 · 12 (Dezember 1845) · p. Seite 455

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
12 (Dezember 1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 455 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2744856-2744869-2744882--0898-2745854
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lieber die Glaubenssymbole der mosaischen Religion. 455 zwischen Beschneidung und Pesachopfer. Wie sollte der Einzelne, welcher durch die absichtliche Unterlassung der Beschneidung das Bekenntniß zur Bestimmung Israels leugnete, an dem Dankopfer für die Erschaffung zu dieser Bestimmung Theil nehmen dürfen *)? Man könnte auf den Gedanken oder Einfall kommen — unsere Zeit ist ja reich an solchen paradoxen Erfindungen im Gebiete der Religion — daß, nachdem, wie 2 Mos. 24, 6—8. deutlich zu lesen, die ganze Gemeinde Israel für den Bund und auf den Bund mit Gott mittelst Opferblutes ein für allemal geweiht wurde, die Weihe der Beschneidung den spatern Geschlechtern nicht mehr nothwendig sei. Es ließe sich freilich dem entgegensetzen, daß die Schrift selbst ja noch spater die Vorschrift der Beschneidung wiederhole; allein diese Erwiederung könnte auf den entgegengesetzten Schluß'führen, daß daher, weil die Beschneidung durch jene Weihe nicht aufgehoben wurde, sie auch als ein Akt der Weihe nicht betrachtet werden könne. Man übersieht jedoch bei dieser Vergleichung den Unterschied zwischen der Weihe einer Gemeinde und der eines Individuums. Die Gemeinde Israel als solche konnte nur ein für allemal einmal für den Bund mit Gott eingeweiht werden; denn eine-Gemeinde entstand oder bildete sich auch nur einmal für alle Zeiten. Der einzelne Jsraelite hingegen soll für seine Person durch das Symbol der Beschneidung an diese Weihe erinnert werden. Eine neue Weihe mit sacramentalischer Bedeutug ist ja auch die Beschneidung nicht; vielmehr ist jeder Jsraelite vermöge seiner Geburt Mitglied der Gemeinde, deren Weihe am Sinai wie der Bund selbst auf alle Zukunft ihre Geltung hat. Aber das Siegel dieser Weihe, das Bekenntniß zur Erfüllung des Bundes soll er bezeugen durch das Symbol der Beschneidung, durch welches jedes Individuum das Zeugniß ablegt, es gehöre der Gemeinde an, die mit Gott in einen Bund getreten, die durch diesen Bund die Aufgabe erhalten und übernommen , mit-den leiblichen und geistigen Kräften sich dein Herrn zu heiligen und zu dienen. — Einen andern Einwurf haben wir noch zu beleuchten, welcher allerdings von größerem Gewichte zu sein scheint. Wenn der Beschneidung die hohe Bedeutung in der mosaischen Religionslehre zukommt — kann gefragt werden — Glaubenssymbol zu sein, als Bekenntniß des israelitischen Berufes zu dienen: — warum wurde ein Symbol als Bekenntniß gewählt, welches das weibliche Geschlecht ausschließt? warum nicht lieber irgend ein anderes, das ohne *) Man könnte hier ein Beispiel der Ercommunication sehe», aus dem sich aber keine weitere Folge ziehen laßt, da sie die Schrift selbst auf diesen einzigen Fall aus »achgewiesenem Grunde beschränkt. Gegentheils kann dieser Ausnahmsfall als Beweis diene», läge cs nicht schon deutlich im Worte, daß bei rro an keine allgemeine Ercommunication zu denken ist. -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.