Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-11-01 · 11 (November 1845) · p. Seite 443

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
11 (November 1845)
Date
1845-11-01
Page
Seite 443 (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2744856-2744869-2744881--0883-2745838
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Notizen. 443 tung; denn sse ist zwar sehr erschütternd, wirkt aber nicht genug auf das moralische Gefühl; sie spricht immer nur von den göttlichen Strafen des Meineides, aber gar nicht vom eigenen Gewissen des Schwörenden, von seiner hohen Menschenwürde *), von seiner Herabwürdigung durch den Meineid vor ihm selbst, vor seinem Gegner und vor andern Mitmenschen, die nicht selten die Falschheit erkennen. Sodann scheint auch die Bestimmtheit, mit welcher gelehrt wird, wiebei andern Sünden die Strafe manchmal aufgeschoben, bei dem Meineid aber alsbald ausgeübt werde, nicht ganz geeignet. Denn es ist immerhin nicht nur sehr gewagt, so genau in die Geheimnisse des Allwrisen einzudringen, und seinen Haushalt so haarklein verstehen zu wollen, sondern es kann auch nachtheilig sein, jene Lehre zu verbreiten. Wir wollen zwar gern glauben, daß die Sünde des Meineides fast nie verübt werde; aber wenn sie nun doch einmal vorkäme, sogar bekannt würde, jedoch ohne solche Beweise, daß die bürgerliche Strafe sie erreichen könnte, und Gott selbst in seiner Allweisheit seinen Arm der Gerechtigkeit noch nicht gegen den Frevler auszuftrecken für gut fände — wie sollten alsdann die in gedachter Weise Belehrten nicht irre werden an der göttlichen Vergeltung? Nein, wir sollen den Nathschluß Gottes auch in dieser Beziehung nicht so umständlich errathen wollen. Groß ist unsere Ehrfurcht vor dem Gedanken einer göttlichen Vergütung; aber wenn wir diese, gleichsam wie einen Criminalcoder, paragraphweise studiren wollten, dann würde jene Ehrfurcht in dem Maße erschlaffen, als unsere Bewunderung der erhabensten Natur und Kunstschönheit herabsinkt, wenn wir uns dem Totaleindrucke entziehen, um Alles in einzelne Formen zu zerlegen und jeden Theil besonders betrachten wollen. Möchten wir daher nur allgemein den Gedanken recht eindringlich hervorheben: „Es lebt und webt ein allgerechter Gott, der das Gute belohnt und das „Böse bestraft, bald früher, bald später, bald schon hienieden, bald erst dort, am „wahren Orte der Vergeltung **). Leopold Schott, Rabbiner. *) Die sehr verschiedenartig erklärte Stelle in Aboth 5, 11: rt2*"i »vn dürfte vielleicht so zu verstehen sein, daß der Meineidige sich selbst zum wilden Thiere macht, das nichts von Gott weiß; daß er Gottes Ebenbild eingebüßt hat. **) Auch hier will ich auf die schon angeführte Schrift von Dr. G. Riegler verweisen, wo unter der Rubrik: „Einige Formularien für Seelsorger zur Vorbereitung auf die Eidesablegung "— die Androhung der göttlichen Strafe also geschieht: „Wenn gleich der Himmel auf den falschen Schwörer seine Blitze „nicht herabschleudert, die Erde sich nicht gleich anfthut, um ihn zu verschlin- „gen, so u. s. w. In welches unaussprechliche Unglück muß sich ein solcher „Frevler stürzen!. Das Andenken an die schreckliche Ueberzeugung: Ich „habe den allerheiligsten und gerechten Gott zum Zeugen, Bür- „gen und Hehler meines Verbrechens gemacht, muß ihn schon Tag „und Nacht quälen. Aber Gottes Strafgerechtigkeit, die er über sich anfgefor- „dert hat, muß und wird ihn auch verfolgen und treffen. Was der Mensch säet, „das wird er erndten.... ja, falscher Eid und der Meineid müssen in der andern Welt nothwendig gestraft' werden, wenn sie in dieser nicht bereuet, und „das verursachte Böse nicht gut gemacht werden. Aber wie will fich^ dieser „Frevler mit Gott versöhnen? Ist nicht jedes Gebet von ihm eure schändliche „Lüge? eine neue Verspottung des heiligsten Wesens? 33*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.