Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 433 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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r Zur Wissenschaft des Judenthums. 433 „zuerst nannte er den Anfang," und die Jdentifieirung der «p^mit allen den Christus zugeschriebenen Attributen von loyog, Goyia und nvevfia tov 0sov, welches besonders hervorgehoben zu werden verdient, weil daraus hervorgeht, daß die christlichen Apologeten gerade aus der Satzconstruction des ersten Verses der Genesis auf ihre Weise gefolgert haben, daß dieses „ev hier nicht temporell, sondern eausal zu nehmen sei, und es nicht bedeute „im Anfang", sondern „durch den Anfang", d. h. durch den Logos, 'den Sohn, erschuf Gott u. s. w. Die jüdischen Abschreiber der Septuaginta scheinen nun geglaubt zu haben, dieser Verfänglichkeit, welcher mit der gesunden Vernunft gegen unwissende Apologeten nicht beizukommen war, ein für alle Mal dadurch entgehen zu können, wenn sie die Satzconstruction änderten, und aus diesem Umstande entstand, meines Erachtens, die erste im Talmud referirte Variante: ann tmba ttroi. Hr. Dr. Frankel, welcher von der Voraussetzung ausging, daß die Tendenz dieser Varianten sei gewesen, polytheistischen Ansichten vorzubeugen, konnte natürlich keinen Unterschied finden zwischen^ ev uQ%ri inoi^as und inolriGe ev ctQi^ (Vorstudien S. 31), welche Schwierigkeit auch den Verfassern der Tosaphot 9a) nicht entgangen ist, und die sie auf ihre Weise zu heberr versuchten.- Und allerdings kann eine gesunde Eregese hierin nicht leicht einen plausibeln Unterschied wahrnehmen; da aber die wunderliche patristische Jnterpretationsweise sich an diese Vorstellung anklammerte und das Wort besonders urgirte, hatten die Juden Grund genug, die Stellung zu ändern* zumal der Sinn dadurch keine Alteration erlitt. Um so mehr ist das Verfahren des Hrn. Prof. Franck zu rügen, welcher in seinem ziemlich oberflächlich gehaltenen Werke „LaCabbale,“ von eben dieser Variante Gelegenheit nahm, aufTalmud und Talmudisten in Bausch und Bogen zu schmähen und sie der maßlosesten Ignoranz zu zeihen, weil der richtige Sinn dieser Stelle ihm entgangen war. Ich glaube hinlänglich dargethan zu haben, daß dieser Variante ein deutliches Motiv zu Grunde lag, welches in der christlichen Eregese der pcrtristischen Zeit gesucht werden muß, und gehe nur zu an-' dern Varianten über, um für sie dieselben Motive zu vindiciren. Die Varianten zweiter Art betreffen die scheinbaren pluralistischen Ausdrücke NW2 und JflTü N2N, welche beide in der Septuaginta, nach talmudischer Angabe, in die Singularform verwandelt worden sind. Aus zahlreichen Stellen der patristischen Literatur läßt es sich Nachweisen, daß die christlichen Apologeten gerade diese Verse ausgebeutet und daraus den Dualismus des Sohnes und des Vaters bewiesen haben. Schon der apostolische Kirchenvater Barnabas in seinem Briefe hat diese Beweisführung *). „Die *) Asysi yccQ rj yQccq>rj itSQL Tj[i<ov, ag XsyEi rc5 via „itoirjcafisv wxv sfc’xova“, Barnabae epist. III. Vergl. Justinus Martyr Dialogus c. Triphon. Theophil ad Autolycum II, Origines o. Celsum II.