Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 430 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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430 Zur Wissenschaft des JudenthumS. Ä ' » narrten zu halten sei, üb dieselben zu irgend einer Zelt den Talmudlehren in griechischer Fassung'Vorgelegen, oder ob fie, nach der Ansicht des gelehrten Herrn Redakteurs dieser Zeitschrift in „den Vorstudien zur Septuaginta" (S.30—A3), in einem hebräischen Coder sollen aus Vorsicht vorgenommen worden sein: diese Frage, welche mit einer anderen eben so wichtigen eng zusammenhängt, ob die griechische Version nämlich in der Synagoge eben so bekannt war als in der Kirche der ersteren Jahrhunderte, dürste, meines Erachtens, noch nicht als abgeschlossen zu betrachten, und einige Momente noch nicht hinlänglich gewürdigt sein, welche der Frage eine neue Seite abzugewinnen vermöchten. — Die anerkannt kritische Wichtigkeit dieser Fragen macht eine längere Einleitung überflüssig, und es darf nicht auffallen, wenn ich mich mit einer theilweisen Erledigung dieser Frage gleich in medias res versetze. So sehr man auch aus kritischen Gründen geneigt sein mag, die talmudischen Angaben der Septuagintavarianten mit der ariste'Lschen Fabel von der Genesis der Septuaginta dem Kreise des amplificirenden Mythos zu überweisen, so dürste sich doch leicht erweisen lassen, daß gerade der talurudischen Relation über die Divergenz.des Septuagintal-Tertes von dem hebräischen THatsach en zu Grunde liegen. Um nun gleich den Standpunkt anzugeben, von welchem ich bei Untersuchung dieser Frage auszugehen gedenke, so will ich darauf aufmerksam machen,' daß die Motive mancher Varianten dogmatischer Natur waren, in Folge der polemischen Reibungen, welche beim Auftreten des Christenthums zwischen gelehrten Juden und Christen häufig genug statt hatten. Diese Polemik, welche, wie aus der patristischen und talmudischen Literatur sattsam bekannt ist, sich stets um zweideutige, scheinbar christologische Verse drehte, mochte die Juden'veranlassen, dergleichen Stellen in der Uebersetzung lieber eine unschuldige und unzweideutige Fassung zu geben oder sie ganz wegzulassen. — Ohne viel Gewicht auf die allgemeine Klage der Kirchenväter zu legen, daß die Juden den Bibeltert, d. h. bei ihnen die Septuaginta, corrumpirt, Zusätze und Auslassungen sich erlaubt hätten, weil ihre Argumente zur Begründung dieser Anklage bekanntlich sehr unglücklich gewählt sind, welche Anklage gleichwohl nicht ganz aus der Lust gegriffen sein dürste: so läßt sich aus Hieronymus beweisen, daß zu seiner Zeit viele christologische Stellen des alten Kanons, die noch dazu inMr Evangelien citirt Vorkommen, in den von der Kirche recipirten Codices der Septuaginta durchweg gefehlt haben, und zwar gerade solche Stellen, welche von den christlichen Apologeten als prophetische oder typische Stützpunkte betrachtet zu werden pflegten. Hieronymus zählt unter vielen alttestamentlichen Verses auf welche im neuen Testamente Bezug genommen wird, fünf namhaft auf, die in der Septuaginta zu seiner Zeit, gefehlt haben, welche Defecte