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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-11-01 · 11 (November 1845) · p. Seite 426

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
11 (November 1845)
Date
1845-11-01
Page
Seite 426 (sequence 20)
Language
German
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426 Tagesbegebenheiten. sem Tage das Ausgehen (wahrscheinlich während des Gottesdienstes) zu verwehren u. dgl. m. Vergebens mahnte der katholische Geistliche — auch dieses eine überraschende Erscheinung, daß die streng-katholische Geistlichkeit des Elsaß allgemein zu Gunsten der Juden auftritt—hiervon ab; er selbst sah sich manchen Unannehmlichkeiten ausgesetzt. Doch es gelangte nicht sobald die Kunde von diesen Vorfällen an den Prafecten Ln Straßburg, als er die geschärftesten Befehle mit Androhung großer Einquartierung nach dem Dorfe erließ, worauf die Ruhe bald wieder hergestellt wurde und jede Animosität aufhörte. Nichtsdestoweniger wurden jedoch die Anstifter dieser Neckereien zu empfindlicher Strafe gezogen. Jüdische Reformer und Deutsch-Katholiken. So sehr sich auch die jüdischen Reformer das Ansehen geben, als stände ihre Bewegung in keiner Beziehung zu der der Deutsch-Katholiken, und so sehr auch gegen die Identität beider Bestrebungen gestritten wird, so zeigt sich doch beiderseits factisch so viel Sympathie, daß wohl ein tiefer liegendes, wenn auch nicht ausgesprochenes gemeinsames Princip nicht mit Unrecht angenommen werden darf. Während wir in der D. A. Z. Nr. 285. lesen, daß in Darmstadt bei dem Festessen der Deutsch-Katholiken auch den jüdischen Reformern ein Toast gebracht wurde; so bringt uns dieselbe Zeitung Nr. 286. die Belege, wie diese ihrerseits sich durch unberufene liebevolle Hingebung zu revanchiren wissen. In dem Artikel aus Frankfurt a.' M., welcher die enthusiastische Aufnahme Ronge's und seiner Freunde schildert, heißt es unter Anderm: „Christen und Juden wetteiferten in Offenbach und Frankfurt, sich in Eintracht und Liebe ihm (Rouge) zeigen zu können; so war es auch in Worms." Nun der Wetteifer in Eintracht und Liebe kann uns nur freuen; aber was hat dieser mit der zudringlichen Einmischung in fremde Streitigkeiten, noch dazu religiöse, zu thun? — Derselbe Artikel fährt fort: Ein Jude schreibt von dort (Worms): „Der Empfang war ergreifend und auch die Verstocktesten waren ergriffen und hatten Thränen in den Augen. Ich speiste mit beim Festessen, wo die Herzlichkeiten keine Grenzen kannten." Wenigstens haben bei dem Referenten die Herzlichkeiten nicht die Grenze der Speisegesetze gekannt. Wenn der Einstuß des Magens auf das Herz von solcher Bedeutung ist, dann sind freilich die orthodoren Juden sehr zu bedauern, daß ihnen so viele Herzen, wie z. B. das Hasenherz, u. s. w., abgehen. Wenn in der That die jüdischen Reformer mit den Deutsch-Katholiken Nichts gemein haben, so mögen sie sich doch die Regel merken: II ne laut pas se meler des choux d’autrui. 35.

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