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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-11-01 · 11 (November 1845) · p. Seite 425

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
11 (November 1845)
Date
1845-11-01
Page
Seite 425 (sequence 19)
Language
German
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Tagesbegebenheitc». 425 Tagesbegebenheiten. Die echte Größe eines Regenten tritt in der Achtung vor dem Reli^ gionsbekenntnisse jedes seiner Unterthanen und det Berücksichtigung ihrer religiösen Vorschriften hervor. Am Vorabend der Julitage wird alljährlich von Seiten der Regierung an die Armen Geld und Lebensmittel vertheilt. Dieser Vorabend siel d. I. auf einen Sabbat: und Ludwig Philipp befahl, daß, da die jüdischen Armen ihren Theil am Sabbat nicht abholen können, er ihnen am Treitag verabreicht werde. — Aehnliches erzählt Philo (in Cajum) von Julius Cäsar, der ebenfalls bei den wöchentlichen Vertheilungen den jüdischen römischen Armen die Gabe am Freitag verabreichen ließ.— Kehren wir auf Frankreich zurück, so fühlt sich der dahin kommende deutsche Jude von dem freudigsten Gefühle überrascht, jeden Unterschied, den man gewöhnlich gern der Confession aufbürdet, hier im Leben geschwunden zu sehen: und bewährt sich, daß nur durch völlige Gleichstellung das Volk sich daran gewöhnt, im Juden den-Bürger mit seinen gültigen Ansprüchen und dem Antheil an allen Rechten zu ehren, und dann auch an seiner Confession keinen. Anstoß nimmt. Ref.^wurde dieses vollständig bei feiner dießjährigen Anwesenheit zu Straßburg inne. Man kann-die dastgen zahlreichen Juden gerade nicht als auf dem Culminationspunkte der Vollendung stehend bezeichnen, und liegt in ihren Manieren noch Vieles, was man sonstden kleineren Gemeinden zum Vorwurfe, macht und als Neckereien und Nachäffung provocirend ausgibt. In Straßburg wird von christlicher Seite dieses nicht im mindesten beanstandet; und dem Ref. wurde auf seine Nachfrage versichert, daß Juden und Christen hier in der größten Einigkeit leben und nie eine beleidigende Aeußerung gehört werde. Und Straßburg liegt im Elsaß, ist von Deutschen bewohnt: und doch hat das Princip echt konstitutioneller Freiheit auch hier Duldung und Eintracht zu Wege gebracht! Liegt es also in Deutschland am Juden (dem man doch wahrlich hier eher im umgekehrten Maße nur zu viel Selbstverlaugnung und Nachäfferei zum Vorwurfe zu machen hätte), daß man die Stimme des Volkes gegen seine Emanzipation vorschützt? Wird nicht vielmehr gerade, weil der Jude noch im Rechte zurückstehet, der Haß des Volkes gegen ihn, der rechtlos erscheint, genährt? — Zum Lobe der französischen Behörden muß noch erwähnt werden, daß sie jeden Funken des Judenhasses, wo solcher noch auflodern wollte, kräftig unterdrücken. Vor einiger Zeit hatten in einem 8—10 Stunden von Straßburg entfernten Dorfe die Bauern auf Betrieb einiger Böswilligen sich zusammen besprochen, den unter ihnen wohnenden Juden keine Hülfeleistung irgend einer Art am Sabbat zu leisten, dafür aber ihnen jedes öffentliche Erscheinen am Sonntag zu untersagen, ihnen an die- Frankel, Zeitschrift U. 32

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