Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 423 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber die Glaubenssymbole dev mosaischen Religion. 423 oder That der Mittelpunkt der religiösen Bestimmung bildet. Wir sind deßhalb auch nach dieser Auffassung des Judenthums vollkommen berechtiget, dieses im Gegensätze zum Christenthume eine Religion der That zu nennen*). Die zwei Grundlagen in der Bestimmung Israels zur Gottähnlichkeit sind 1) die Erkenntniß Gottes, der Glaube anihn, und 2) die Gesinnung, nach Gottes Willen zu leben. Diese beiden Anforderungen bilden die Factoren des mosaischen Religionsprincips, die Säulen, welche den Tempel der Religiosität tragen. Sie sind es, die schon David als solche erkannte und aussprach in seiner letzten Mahnung an seinen Sohn Salomo, 1. Chron. 28, 9: „Erkenne den Gott deines Vaters (glaube an ihn) und diene ihm mit ganzem Herzen und williger Seele— "flSStt 103331 DifiJ 3^3 liTOSl “p3S PS S3. Auch die ältesten Rabbinen theilten das Wesen der Religion in diese zwei Hauptsätze, in Glauben: v^is m£» V© rto p, und in Gehorsam: r.m> V© ni3p. Nicht weniger fanden sie ein Bekenntniß zur Bestimmung Israels, das täglich zweimal abgelegt wird, mit welchem der Israelit diese zwei wichtigsten Punkte seiner Religion aussprechen und sich einschärfen soll: es sind die in das Gebet aufgenommenen Schriftstellen 5. Mos. 6, 4—8: skib und 11,13—21: öx nm, deren erstere den Glauben an Gott, letztere den G e h o r sa m gegen sein Gesetz einprägen, der Israelit dadurch sich dazu aufmuntern soll (Mischna Berachot II. 2.). Sv sehen wir denn, daß das Ablegen eines Bekenntnisses unserer Religion seit ältester Zeit in Israel Sitte ist. Wohl hüteten sich die ältesten Synagogenlehrer, eine eigene Bekenntnißformel aufzusetzen, welche am Ende Gegenstand des Streites oder unwirksam werden konnte; allein in und mit dem lebendigen Worte Gottes selbst sollte die Unterwerfung im Glauben und Gehorsam ausgesprochen werden. Es ist ein Bekenntniß in Andacht vor Gott, auf daß der Israelit täglich Morgens und Abends sich seiner Bestimmung erinnere und zu ihrer Erfüllung sich weihe und kräftige; aber es ist kein Bekenntniß vor Menschen, um sich damit als Mitglied der Glaubensgenossenschaft zu bezeichnen, oder den Eintritt in die mosaische Religion zu geloben. — Indessen entbehrt die Religion des Israeliten keineswegs eines Bekenntnisses, das jedoch nicht in flüchtigen Worten, sondern lebendigen Thaten dargelegt wird. Es sind das Glaubenssymbole, von Gott *) Bereits wurde von uns aus dieses unterscheidende Merkmal hingewiesen in dem Literaturblatte des Orients vom 1.1844. Nr. 14., woselbst wir sagten: „daß bei jedem Absalle im Judenthume weniger der Gedanke als die That, weniger der Glaube als das Leben mit der Synagoge in Widerspruch gerathe." »