Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 422 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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422 lieber die Glaubenssymbole ber mosaischen Religion. Wir verlassen das Schlachtfeld der Polemik, um vorerst die Stellung der Glaubenslehren in der mosaischen Religion kurz anzudeuten, sodann die Glaubenssymbole namhaft zu machen und ihren Begriff zu bestimmen. Sind wir auch der Ueberzeugung, daß die mosaische Religion geoffenbarte Lehren enthalte, welche deren Grundlage bilden und auf welche die Gesetzgebung gebaut wurde und fortan ihren Halt darin hat; erkennen wir diese Wahrheiten als die charakteristischen Merkmale, wodurch die Religion Israelis dem Heidenthume entgegentrat und sich heute noch von dem Christenthume unterscheidet; halten wir endlich diese Dogmen — denn das sind sie als religiöse Lehrsätze — für Wahrheiten, zu deren Erkenntniß und Beherzigung der Israelit aufgefordcrt ist-, um im treuen Glauben an sie zu leben: — so gestehen wir dennoch gern zu, daß der fromme Lebenswandel das Wichtigste in unserem Berufe vor Gott bleibe; so wissen wir wohl, daß das Judenthum — wie stark es in der Verheißung lebe, seine Glaubenslehren werden das Eigenthum aller Menschen werden — keine Verdammung Andersgläubiger oder Ungläubiger ausspreche; so räumen wir ein, daß die Lehre Moses selbst für den Israeliten die Seligkeit nicht von dem Glauben an diese Lehren abhängig mache. Das Jsraelitenthum unterscheidet sich von dem Christenthum durch die Bedeutung der Glaubenslehren nicht minder als durch ihren Inhalt. Während die kirchliche Lehre des Christenthums im Protestantismus wie im Katholicismus das Dogma der Erlösung von der Sünde durch Christum zur Bedingung der Seligkeit macht, so daß die ungläubigen Christen wie alle Juden und Heiden der Verdammung anheim fallen: kennt das Judenthum weder eine absolute Bedingung zur Seligkeit, schreibt sie am wenigsten einem Dogma zu, noch auch spricht eS von einer ewigen Verdammung. Der größte Zweifler, so seine Gesinnung und sein Wandel fromm sind, kann getroster vor den Richterstuhl Gottes einst treten als der Strenggläubige, dessen Lebenswandel ein lasterhafter ist. Denn das Princip des Judenthums ist die Gottähnlichkeit, oder heilig zu werden, wie und weil Gott heilig ist, in den Wegen Gottes zu wandeln. ' Die Glaubenslehre ist Mittel, Licht auf dem Wege zu diesem Lebensziele, das der Jsraelite mit eigner angestrengter Thatkraft erreichen soll., So stellt sich denn heraus, daß, wenn wir auch geoffenbarte Dogmen im Judenchume annehmen, welche dessen Bekenner zu ihrer Ueberzeugung machen sollen, diese doch in dem Judenthume eine ganz andere Bedeutung und Stellung haben, als in dem Christenthume die seinigen, da in diesem alle Tugend keine Geltung hat ohne den Glauben an die Erlösung durch Christum, in jenem der Glaube ohne Werth ist, wenn ihm ein sittlicher Lebensweg nicht entspricht, somit dort der Glaube, hier die Gesinnung