Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 421 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber die Glaubenssymbole der mosaischen Religion. 421 Lehre und Gesetzgebung, da wahrlich beruhet durchaus nicht der Nerv des ganzen Beweises auf dem Worte Offenbarung, wie Hirsch behauptet, sondern es kommt wenig, ja nichts auf dieses Wort an. Verstehen wir als Israeliten unter dem Worte Offenbarung: die durch Gott unmittelbar gegebene Verkündigung oder Bekanntmachung von Lehren und Gesetzen, so ist die Thora und sind die Propheten voll von dieser göttlichen Offenbarung. Und fände sich dieser Ausdruck auch nicht ein einziges Mal in der ganzen Bibel, was thut's? Der,Jnhalt ist da, jedes Blatt in der heiligen Schrift gibt von ihm Zeugniß. Hirsch selbst gibt zu, daß das Wort Offenbaren bei zukünftigen Ereignissen, welche den Propheten vorher mitgetheilt wurden, vorkomme, somit räumt er ein, daß sogar von Geheimnissen — denn was ist verborgener die Zukunft? — das Wort Offenbaren gebraucht werde. Es ist mir unerklärlich, wie Hirsch sich'an das einzige Wort ria anklammert^ die ganze Reihe von Ausdrücken aber — wie „Gott sprach", „lie^ Mie Stimme hören", „thut kund", „zeigte" u. s. w. —, welche doch alle dem Begriffe nach ein Offenbaren Gottes auSsprechen, unbeachtet läßt. Nun kommen diese Wörter bei der Mittheilung von Lehren und Gesetzen vor, weßhalb wir eine Offenbarung derselben annehmen müssen. Wir fürchten die Geduld des Lesers zu ermüden, wenn wir alle diese Stellen citiren, welche als Belege dienen können. Daß die Bibel Lehren und Gesetze enthält, ist klar; daß diese ohne Ausnahme als Gottes Worte gegeben sind, ist nicht minder gewiß: wie kann also, ohne Verdrehung des schlichten Wortsinnes, die Offenbarung dieser Lehren und Gesetze, zu deren Bestätigung und Einschärfung Gott viele Wunder unter Israel gethan, weggeläugnet werden? Wozu auch diese außerordentlichen Thatsachen, wenn diese Lehren so natürlich von der Vernunft eingesehen würden? Doch wir wollen uns über Nichts mehr wundern, da Hirsch (I. I. S. 41) sich wundert, daß man noch von einer mosaischen Religion reden möge! Stifter einer Religion ist Moses uns allerdings nicht, sondern Gott selbst; aber durch ihn erhielten wir die Lehre, welche ein Erbe der Gemeinde Jacobs ist; nach Moses Namen nennt die heilige Schrift mehrmals die Lehre und auch im Talmud wird erklärt, daß die Lehre Gottes mit Moses Namen, d. h. eine mosaische heißen soll. Das Judenthum ist auch mehr als Geschichte (s. Hirsch S. 36), es ist Lehre und Gesetz, welche geschichtlich, factisch geoffenbart, geschichtlich, wunderbar bekräftigt wurden, es ist auch Verheißung, die zur Geschichte werden muß, es ist Religion im edelsten Sinne des Wortes, denn es ist rvna, Bund zwischen Gott und Israel.