Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 420 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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420 lieber die Glaubenssymbole der mosaischen Religion. ist es ja, welches das religiöse Glauben von dem bloßen snbjectiven Fürwahrhalten, wie das Leben das Wort Glauben nimmt, unterscheidet. Auch die Construction kommt dieser Unterscheidung der Bedeutungen zu Hülfe. Das ymn mit der Präposition-y, wie das deutsche Glauben mit der Präposition an drückt schon das zuversichtliche Haften an dem Gegenstände aus. Ja faitn heißt das Feststellen der Wahrheit und treue Halten an derselben, die noa in sich aufnehmen. Das ist der Vorzug aller religiösen Wahrheiten vor denen der Wissenschaften und des Lebens, daß bei diesen ein bloßes kaltes Wissen schon genügt, während bei jenen, weil sie den ganzen Menschen, nicht eine einzelne intellectuelle Kraft in Anspruch nehmen, das Wissen noch in das Herz dringen und die ganze Seele warm erfüllen müsse. Und solch' eine Aufnahme der religiösen Lehren in unser Inneres wird in der Schrift uns allerdings zur Pflicht gemacht. Wie könnte dieser Befehl schöner ausgedrückt sein als in den Worten 5. Mos. 4, 39: „Du sollst es erkennen heute und es zu Herzen nehmen" rc. Erkenntniß mit Beherzigung — das ist wahrer Glaube, der kaltes Wissen eben so sehr ausschließt, wie blindes Meinen *). Auch die Worte 5.Mos. 6, 4: „Höre Israel" u. s. w. fordern nicht zu bloßem äußern Anhören, sondern zur innern Aufnahme auf, wie das schon die ältesten Eregeten unter den Rabbinen erklärten; denn nicht eine Erzählung, sondern eine Lehre wird hier gegeben. Selbst das Wort sn, auf welchem das ganze Schwergewicht des Beweises ruhet, daß der Israelit nur wissen und erkennen, nicht glauben soll, heißt, wie bekannt, nicht allein Wissen, sondern auch Beachten, Daraufmerken u. s. w. Wie Ps. 1/6. cp-ro h'Vvp iS Übersetzt wird: „denn Gott achtet auf den Weg der Gerechten", so schließt dieses Wort auch in den häufigen Geboten, Gott zu erkennen, den Begriff des Daraufachtens, BeherzigenS mit ein. Schon die Widerlegung der Mendelssohn'schen Ansicht genügte, um auch die Grundsätze Hirsch's damit zurückzuweisen; indessen legt Hirsch ein gewaltiges Gewicht aus den Mangel des Wortes Offenbarung, was nach unserer Meinung Mendelssohn gewiß nicht übersehen, sondern absichtlich übergangen hat. Dieser hielt sich nämlich nur an das Wort Glauben, weil allerdings der Schluß noch etwas für sich hat: soll Glauben eine religiöse Pflicht sein, nothwendig auch der Befehl dazu, mindestens das Wort sich einmal in der Bibel finden müsse; aber bei der Annahme einer von Gott unmittelbar verkündigten *) Zu 5. Mos. 8, 5. erklärt Aben Esra auf die Worte: „Und du sollst es erkennen mir deinem Herzen", daß nmn erkenne mit herzlicher Zuverficht, was das Wichtigste ist: .„ipwt NlrtiS 12b r:T3K2 stö".- Das Wörtchen OS „mit" gibt trefflich diesen Sinn.