Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 418 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Ueber die Glaubenssymbole der mosaischen Religion. Welchen das blendende Helldunkel des innern Bewußtseins die Menschen geführt und welchen die Volksreligion und die Philosophie dcS Heidenthums unter sich theilten, indem jene durch das Verlangen nach etwas Concretem dem Polytheismus sich hingab, diese in dem abstrakten Aufsuchen eines idealen Seins zu dem Pantheismus ihre Zuflucht nahm *). Verschiedene Abstufungen, wie sie der Polytheismus von dem Fetischdienste bis zur Lichtreligion hatte, finden wir auch in dem Pantheismus, hier weniger, dort mehr der Wahrheit sich nähernd; aber eine Lehre über Gott, Schöpfung u. s. w., wie sie uns unsere Bibel gibt, finden wir in keinem philosophischen Systeme des Heidenthums. Selbst Plato, dessen System mehrere neuere Gelehrte mit'der mosaischen Theologie vergleichen wollten, kann keine Ausnahme machcki, da'die wenigen besseren Ausdrücke noch nicht hinreichen, ihn so hoch zu stellen;, überdieß, wenn auch dieses Wenige hervorgehoben wird, immer die Lehre Plato's in vielfacher Hinsicht als irrig sich herausstellt. Doch wir wollen ja hier keine philosophische Kritik geben. Nur auf das Eine sollte aufmerksam gemacht werden, daß in' allen Regipnen der heidnischenPhilosopheme wie der heidnischen Religionen über die höchsten Wahrheiten geirrt wurde. AuS diesem natürlichen Irrwege des sich selbst überlassenen Menschen rettete Gott durch seine Offenbarung Israel, und durch dasselbe sollen alle Völker gerettet oder gesegnet werden. Ziehen wir noch die Gründe in Untersuchung, welche aus der Schrift selbst genommen wurden, um die Annahme von geoffenbarten Glaubenslehren als irrig zu bezeichnen. Nebst auf Mendelssohn's, Worte nehmen wir nur noch auf die des Rabbiners Hirsch zu Luxemburg in seiner Broschüre „Reform im Zudenthume" Bedacht. Uebrigens ist Hirsch, was die negative Seite der Ansicht Mendelssohn's betrifft, 'bis auf Weniges fast wörtlich diesem gefolgt. Da wir uns ganz an die Schrift halten, so können wir füglich Fragen übersehen, wie die drollige (Reform S. 31 u. 32): warum denn Gott den menschlichen Geist nicht so geschaffen habe, daß diese Offenbarung überflüssig geworden wäre u. s. w. Nur rufen wir Hrn. Hirsch seine eigenen Worte (S. 35) in's Gedächtniß: „Am Sinai z. B. wird auch nicht ein Wort verkündigt, das der Mensch nicht auch in sich finden könnte, wird nichts gelehrt, was der wahrhaft autonomische Geist nicht auch lehren würde und müßte", und fragen, warum denn Gott dennoch diese Worte verkündigt und gelehrt hat? „Denn — das sind wieder Hirsch's Worte *) Atque etiam Antisthenes .... populäres deos miiitos, naturalem unuin esse dicens. Cic. de nat. deor. I. 12.