Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 417 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber die Maubenssymbole der mosaischen Religion- 417 Doch wir kehren zur Rechtfertigung der Annahme von Glaubenssymbolen im Judenthume zurück. Machteil wir in den vorhergehenden Worten den Versuch, die in Beziehung auf die mosaische Gesetzgebung von Mendelssohn aufgestellte Meinung gegen die gemachten Angriffe von seinem Standpunkte aus zu vertheidigen: — so sehen wir uns jetzt genöthigt, dessen Glaubenstheorie, welche sich so starken Beifalles erfreut, nach unserer innigsten Neberzeugung zu bekämpfen. Seit mehr als 12 Jahren trete ich in meinem Religionsunterrichte, welchen ich an hiesiger König!. Studien-Anftalt den israelitischen Schülern gebe, diesem philosophischen Dogmatismus Mendelssohn's, welcher übrigens, wie er selbst gestand , die Werke des alles zermalmenden Kant nicht mehr studiren konnte, entgegen. Mit inniger Freude hieß ich daher die über diese Materie erschienenen Werke Steinheim's willkommen, welcher mit philosophischen Waffen gegen die Apotheose der menschlichen Vernunft kämpfte. Wiewohl nicht gesonnen, in dieser Abhandlung den Weg der Philosophie einzuschlagen, können wir dennoch nicht umhin, im Hinblicke auf die Zeugnisse der Menschengeschichte denen, welche die sammtlichen Religionslehren des Mosaismus für Wahrheiten erklären, die von der menschlichen Vernunft leicht eingesehen werden, die Frage vorzulegen: wie es komme, daß selbst Israel, nachdem eS so oft an diese Lehren erinnert, zu ihrer Einprägung einen wunderbaren Weg geführt wurde, dessen ungeachtet immer wieder in den Götzendienst zurückfiel? Wäre solch ein leichter Abfall von Wahrheiten, welche die Vernunft ohne alle Belehrung allein zu finden im Stande sein soll, nicht das unbegreiflichste Wunder? Wie ist's ferner erklärlich, daß die ge- ' bildetsten heidnischen Völker der Abgötterei verfallen waren und blieben, wenn die menschliche Vernunft in und durch sich selbst die Kraft hat, die wahre Erkenntniß Gottes zu erlangen? Man mache dagegen nicht die entgegengesetzte Frage geltend, ob denn der Götzendienst vernünftiger Natur sei, weil ihm die alten Völker so stark und so lange zugethan waren, und wenn nicht, sollen wir allen Menschen aus der heidnischen Welt die Vernunft absprechen, weil sie doch Götzen anbeteten? Ein Gottcsbewußtsein, die Ahnung eines höheren Wesens, tragen wir alle allerdings von Geburt in uns. Diesem dunklen Gefühle entspringt der Drang, Gott zu suchen; ohne dasselbe würde der Atheismus, welcher doch nie einem natürlichen, gesunden Herzen zusagte, eine weit größere Macht unter den Menschen geübt haben. Auf diesem Wege des Suchens nach Gott begegnen wir einem zweifachen Jrrthume, in der Religion bestehet, und nicht in einer mit unserer Erkenntniß nicht in Einklang zu bringenden oder ihr gar widersprechenden Unterwerfung, die das Charakteristische des Glaubens bezeichnen soll. Vergl. auch oben S. 178. F.