Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- Seite 410 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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410- Ueber die Glaubenksymlole der ruosuischen Neligion. und Bildungsgang die Wahl der Formen, aber unabänderlich dauert fort das Einklciden der Ideen in Formen. Nur eine aller Poesie deS Lebens baare, trockene und einseitige Verstandesrichtung vermag die heilsame und segensreiche Wirksamkeit figürlicher Darstellung für des Geistes wie des Gemüthes Erhebung und Kräftigung in Abrede zu stellen. Aus eigener Erfahrung kennt jeder fühlende Mensch die elcctrische Wirkung des bildlichen Ausdruckes in Sprache oder Handlung. Und wie auf dem Felde des sittlichen Lebens die lebendige That sich mächtiger und ersprießlicher bewährt in ihrem Einflüsse auf Andere als das gesprochene oder geschriebene Wort, so zeigt sich auf dem Gebiete des religiösen Cultus die Weihe der Veranschaulichung durch sinnbildliche Handlungen oft mannichfaltiger und ergreifender als durch den Ausdruck in Sprache und Schrift. Deßhalb wird das Wort nie und nimmermehr in allen Fällen die Handlung in der Symbolik ersetzen. Aus dem heiligen Lande der Religion konnten die Symbole nicht verwiesen werden, ohne daß der frommen Anschauung und Empfindung der .schrecklichste Nachtheil gebracht würde. Die Cherubim waren dem ersten Menschenpaare die Wächter auf dem Wege zum Lebensbaume, sie breiteten später auch ihre schützenden Flügel über den Deckel der Bundcslade. — Die Unentbehrlichkeit des Symbols für den Cultus hat, - wie schon angedeutet wurde, in dem Wesen der menschlichen Natur ihren Grund. Gleich wie das sinnliche Leben Träger und Organ der Geisteskräfte ist, wie in dem Körper die Form und der Abdruck der Seele sich offenbart; also sehen wir in dem Symbole das leibliche Gewand einer geistigen Idee, das sichtbare Bild übersinnlicher Gedanken und Gefühle. Der Himmelsleiter Jacobs ähnlich fußet das Symbol mit seiner untersten, sinnlichen Basis auf der Erde und reichet mit seinem obersten, idealen Gipfel bis an den Himmel, auf Gott, der erhaben über demselben thront hinweisend durch die auf- und absteigenden Engel, durch die heiligen Gedanken, welche es in Bewegung setzt. Man stelle dieser Begriffsbestimmung des Symbols nicht entgegen, daß dieses Wort gerade in seiner Ursprache häufig für irgend ein willkürliches Zeichen gebraucht wurde, daß sonach die hohe Bedeutung, welche wir ihm vindiciren, sich als geschichtlich unbegründet herausstelle; denn die ursprüngliche Entstehung dieses Wortes wollte gewiß nicht diesen Begriff geben, deutet vielmehr auf das natürliche Zusammenfallen, Aufcinanderpassen, auf die Kongruenz zwischen Gedanken und Bild hin, so daß Symbol für ein wirkliches Sinnbild, nicht für ein zufälliges Merkmal galt. Erst im Laufe der Zeit mögen im geselligen Umgänge Zufall und Willkür ihr Spiel getrieben und den Sinn dieses Wortes der Art erweitert haben, daß jedes beliebige Zeichen ein