Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 10 (Oktober 1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 405 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 405 hörig berücksichtigt, doch begränzt und soweit beschrankt wurde, um dessen Ueberhandnehmen und Ausarten, welches der Menschheit viel Unheil brachte, möglichst verhindern zu können*). Finden wir auch die Gründe, welche der Verfasser zur Widerlegung der genannten drei Religions-Systeme angeführt, recht triftig und einleuchtend, und können wir ihm vollends beistimmen, daß deren angebliche Tendenzen sich nicht als die des Judenthums bewähren, so scheint uns dennoch das eigene eudamonische System des Verfassers nicht ganz befriedigend, und kann es unseres Erachtens höchstens im ursprünglichen Mosaismus in seiner ersten Erscheinung, in der Bibel nämlich, keineswegs aber in den anderen späteren jüdischerrUrkunden begründet sein. Die minutiösen Vorschriften im Talmud, das tausendfache Vervielfältigen eines kleinsten mosaischen Gebotes, welches einen unbedeutenden Tropfen irgend einer biblischen Vorschrift in ein ganzes Meer von traraa rc. verwandelte. Diesem allen liegt offenbar eine ganz andere Idee zu Grunde, und scheint es von einem entgegengesetzten Geist beseelt zu sein, als von dem der Eudämonie. Der größte Theil solcher Produktionen ist eher wahrscheinlich in der damaligen Zeit des Druckes entstandenem welcher Verfolgungen und Unterdrückungen von Außen her, und innere Spaltungen im eigenen Schooße das Judenthum zu erschüttern drphten, wo daher diese Masse von Ringmauern und Zäunen nur als Bollwerke und aufgeführte Wälle gebraucht wurden, um einerseits den von den Vätern angeerbten Glauben gegen äußere Anfälle zu verwahren und in Schutz zu nehmen, andererseits wiederum durch mögliche Absonderung von Außen und Abschließung in sich ein Band des Glaubens um die zerstreueten Glieder der Judenheit zu schlingen, und in einem bestimmten Punkte und in einer eigenthümlichen Denk- und Lebensweise vereinigen und concentriren zu können. Erst nach Zerstörung des zweiten Tempels, als den Juden das wirkliche Leben verkümmert, und die Erde mit ihren Glücksgütern verschlossen wurde, flüchteten sie sich, so zu sagen, in den Himmel, und suchten in einer höheren, geistigen Sphäre und in einem neugeschaffenen Ideale einer zukünftigen Welt Trost und Belohnung für die in der martervollen Gegenwart gelittenen Leiden und Verfolgungen, in welcher traurigen Zeit auch die Idee eines messianischen Reiches emporkeimte und Wurzel faßte **), die fcra taub fteim rtotnh sw um ‘ftaa tmn ‘ptntr» >21 /•öi mim isö bw .«J tii wretarn mim trmo *) Siehe einen Artikel im Orient, Nr. 25. l. I., „die Bewegung im Judenthume^ überschrieben, wo der Verfasser dieses ausführlicher besprochen hat. **) Daher heißt es im Talmud: miö» nVü pmrm mrnö tairci, d. h. nach Zerstörung des Tempels wurde der Messias (i. e. die Idee desselben) im Volke geboren. — -