Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 10 (Oktober 1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 390 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Zur Sagen- und Legendenkunde re. hatte sich der jüdische, wissenschaftlich gewordene Geist den wirksamsten Impulsen zur Fortbildung nationaler Sagen entfremdet, Um nie wieder zu seiner jugendlichen Thätigkeit zurückzukehren. Zwar werden wir schon in dieser (der arabischen) Periode, und noch in einer spateren mit neuen Triebkräften — eine unausgesetzte Thätigkeit der Sage gewahren; aber nie drang sie mehr so tief in Mark und Blut, nicht ward ihr die SaNction des AlterthUmS; denn ihre Quellen mischten sich fortan stets mit fremden, und diesen Abstand deutlicher fühlend, kehrte der Jude doch immer wieder am liebsten zu jenen, eigenem Grund und Boden entkeimten Blüthen, zu den heimischen Klangen zurück*). . So sehr nämlich die arabische Bildung sich der durch Vermittelung der Syrer bekannt gewordenen griechischen Wissenschaft zu nähern strebte, der herrschenden Scholastik sogar die Selbstständigkeit der poetischen Kunstform hingab; so hatte sich doch nebenher der im vollsten Leben fortwaltende arabische Volksgeist auch in der Literatur, Namentlich in der eigentlichen und orientalischen Halb-Poesie der Mährchen, Erzählungen u. s. w., geltend zu machen gewußt. In dieser Form konnte der fremde Stoff nicht in dem Maße auf den Juden einwirken, als da, wo er dem arabischen Sitten- und Religionslehrer als Einkleidung und Anknüpfungspunkt diente. Sittlichkeit und Religiosität zu fördern mochte der Jude leicht die arabische Sage u. s. w. benutzen Und nach seiner Weise umgestalten, und dieß geschah wieder am besten in der hebräischen Sprache, wo schon dieß sprachliche Gewand den fremden Leib umhüllte und unkenntlich machte. Und' wie Vieles hatte nicht der Araber, der Muhamedaner auf ähnliche Weise dem Judenthume entnommen, was in der neuen arabischen Färbung sich auf dem ursprünglichen Boden nicht sehr fremd ausnahm? — So gewahren wir in jener Zeit eine Literatur von Uebersetzungen-, Bearbeitungen arabischer Sagen, Mährchen u. dergl., denen gegenüber, sowie auf anderen Gebieten, Nationalfiolz und Eifersucht zu eigenen Wettarbeiten ermunterte, die, aus dem eigenen Urborn schöpfend, doch kaum sich des fremden Gewandes gänzlich erwehren konnten, und hierdurch, namentlich aber durch ihre offenliegende Absichtlichkeit der Abfassung, von jenen alten, in naiver Unbewußtheit und mehr Mündlich als schriftlich ausgebildeten Kreisen unterscheiden**). *) Die älteren fremden Stoffe, z. B. aram., pers., altarab., griech. und lateinische hatte» sich während eines höheren Nationallebens mehr assimilier und eingebürgert, und erschienen der späteren, in Kritik wenig geübten Zeit nicht mehr als fremd. **) Als Repräsentanten der geschilderten arabistrenden und nationalen Richtung dürfte man die sali gleichzeitigen Werke: ösn bammolsed wehanasir und