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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-10-01 · 10 (Oktober 1845) · p. Seite 389

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
10 (Oktober 1845)
Date
1845-10-01
Page
Seite 389 (sequence 23)
Language
German
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Zur Sagen- und Legendeizknnde re. 389 Haupt als Hauptfactor einer neuen Periode der jüdischen Kulturgeschichte angesehen werden muß: in der Emancipation der Wissenschaft, die an den Arabern ihre Vertreter fand. Der Ursprung dieser Katastrophe liegt leider noch allzusehr in historischem Dunkel, und es ist kein sicherer Maßstab vorhanden für den Antheil der jüdischen Nationalität nach innerer organischer Entfaltung an jener Umwälzung, die fast schon anderthalb Jahrhunderte nach der vermuthlichen Begründung deutlich sichtbar wird *). Die Bibel wird allmälig unabhängig vom Midrasch durchforscht und nach dem einfachen Wortsinne erläutert, die profane Wissenschaft bauet ihre Systeme auf eigenem Grund und Boden und auch der Glaube sucht die Form des Systems, er benutzt die brauchbaren Elemente der Haggada nach seiner Weise, und indem die Philosophie der Zeit dem früheren Midrasch das allegorische Gewand abzieht, wird sie selbst nicht selten zum „philosophischen Midrasch", ein merkwürdiges Gegenspiel der oben erwähnten Entwickelung des Midrasch "). In Anwendung auf die jüdische Sage und Legende insbesondere, so wird sie an sich aus dem Gebiet der strengen Wissenschaft, namentlich der Eregese und Geschichte, hinausgewiesen*"), aber die Homiletik gibt dieß eine ihrer wirksamsten Mittel nicht auf, und die religiöse Poesie (Pijut) weiht der Sage die schönsten neuerlernten Kunstformen. — Wird aber die orientalische Geschichte des Zauberschmuckes der Sage entkleidet, so schrumpft sie zur Genealogie und Chronik zusammen, die nur an Familien- und National-Jntereffe ihren Haltpunkt haben""), welcher wieder bei der Biographie noch schwächer wird. Das eigenthümliche Leben der Juden unter arabischer Herrschaft ist einer lebendigen nationalen Sagen-Fortbildung durchaus ungünstig. Dem heimathlichen Boden mit seinen eigenthümlichen Einflüssen entzogen, ohne gemeinschaftlichen bedeutenden Thataufwand für nationale Zwecke, vom Bande des Zwanges nicht zusammengepreßt, aus dem ereignißreichen Kreise des Lebens in die einsame, eintönige Studierkammer gezogen, anstatt des lebendigen Wortes auf den todten Buchstaben, und noch dazu einer fremden Sprache, angewiesen ss) *) Vorzüglich Massora, Karaer und Geonim des 8. —9. Jahrh. bedürfen noch besonderer Studien. **) Diese mittelalterlichen Philosophen dürften sich dabei ans die Methode der allerjüngsten berufen! ***) Siehe Abukwalid und Tanchnm bei Ewald, Beitrage u. s. w. S. 142. 152. ***+) Daher die Gleichgültigkeit jener Zeit gegen solche „Geschichte", selbst lei Geistern wie Maimonides. -s) Bekanntlich herrschte die arabisch e Sprache in der Literatur dieser Juden.

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