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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-10-01 · 10 (Oktober 1845) · p. Seite 387

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
10 (Oktober 1845)
Date
1845-10-01
Page
Seite 387 (sequence 21)
Language
German
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Zur Sagen- und Legendeukunde u. 387 der jüdischen Geschlechter von fremden mochte das genealogische Verzeichniß (Megillath Juchasin) hervorgerufen haben, das nicht von Sagen und Erzählungen frei bleiben konnte. Auf der anderen Seite war, wie erwähnt, die geschichtliche Form oft bloße Einkleidung für sittlich-religiöse Tendenzen. — Die zuletzt erwähnten Phasen der geschichtlichen Haggada bieten im Verlaufe der Zeit immer mehr den Uebergang von der biblischen Legende zur späteren jüdischen Sage überhaupt mit absolut neuem Stoffe. In Rücksicht auf den letzteren ließen sich hier zwei Hauptabtheilungen unterscheiden, insofern nämlich die Geschichte der ganzen Nation, oder das Leben einzelner berühmter Individuen der Träger und Mittelpunkt der Haggada ist *). Nach beiden Seiten hin reihen sich an die Erzählungen der heiligen Schrift die der Apokry phen. Das zwischen Haggada und eigentlicher Geschichte mittenmnestehende Geschichtswerk des Josephus Flavius, und einige, im Dienste der Alerandrinischen Philosophie geschriebenen, mit geschichtlicher Haggada versetzten Werfe Philo's tragen in ihrer Form und Tendenz den Stempel eines fremden Geistes und können der jüdischen Nationalität nicht ausschließend vindicirt werden. — Mit dem zweiten Eril trat mehr das Leben der im Mittelpunkte der geistigen Entwickelung stehenden Rabb inen in den Vordergrund der jüdischen Sage, bis endlich die spätere Zeit den gesammten Stoff auf verschiedene Weise zusammen stellte. Unter diesen Sammlungen verdient namentlich die des R. Nissim (Mitte des 11. Jahrh.) erwähnt zu werden. Wir haben bisher die lebendigen Quellen der jüdischen Sage sowohl in den Oasen der Halacha, als mitten im Meere der allgemeinen Haggada gefunden und bis zur Bildung eines selbstständigen Stromes verfolgt, der aber noch ein anderes Gebiet mit seinen Gewässern tränkt, indem er sich durch dasselbe hinschlängelt, selbst anwächst, und seine Ufer mit herrlichen Blumen und Blüthen schmückt. Die jüdische Sage war nicht nur Einkleidung und Stoff des öffentlichen Vortrags, sondern auch der anderen Seite des jüdischen Lebens, des Gebetes, worüber wir uns kurz fassen müssen und dürfen **). Der jüdische Glaube und Ritus fußt ganz besonders auf einer historischen Basis. Auch das erste uns überlieferte freie Gebet des Patriarchen (UM. 32, 11; vgl. 24, 12) wendet sich eben so an den Gott „Abrahams und Jsaks", wie das erste angeordnete und typische, das vorzugsweise „Gebet" (Testlla) heißt. Auch das jüdische Gehet ■*) Zpnz (S. 129) unterscheidet als ein Drittes: die Wundersage, die aber im Grunde eine- Modisication der beiden anderen ist. **) Siehe Zunz g. V. S. 366. 382. Dukes zur Kenntniß der jüdischen Religionspoesien, S. 55 ff.

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