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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-10-01 · 10 (Oktober 1845) · p. Seite 386

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
10 (Oktober 1845)
Date
1845-10-01
Page
Seite 386 (sequence 20)
Language
German
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386 Zur Sagen- und Legeildenkunde ic. und Unterredung zu sehr von der Veranlassung bedingt, durch Nebenumstände weit hinaus entwickelt und verzweigt, um selbst eine minder streng logische Ordnung nach Materien zuzulassen. — Hingegen bot sich ein anderer Gesichtspunkt als natürlicher an. Schon im Allgemeinen ging die Haggada, wie erwähnt, zunächst von der Bibel aus, und kehrte, wenn auch nach großen Kreuz- und Querwegen, zu ihr zurück. Die regelmäßigen Sabbat- und Festvorträge, mehr Homilien als eigentliche Predigten, basirten auf einem Texte aus dem für den Tag bestimmten Bibelabschnitte. Was war also natürlicher, als daß der Sammler der Haggada seinen überschwenglich reichen und mannichfaltigen Stoff nach diesen Texten ordnete, oder mit andern -Worten hie freien Vorträge zu einem Cyklus von Predigten, Einzelnes nach den Bibelstellen ordnete, wie es auch einer Haupttendenz der Sammlung : Bibelverständniß oder Materialsammlung für neue Vorträge vorzüglich eignete. So entstand der älteste Midrasch im engern Sinne, oder A u s - legungshaggada (z. B.Rabboth, Pesikta*). Insofern die Sage und Legende nur als Erweiterung der biblischen Erzählung auftrat, ward sie ein schwer zu sondernder Be st and theil dieses Midrasch ün engern Sinne, dessen Haupttendenz sie theilte. Hier aber konnte leicht das Interesse an dem Erzählungsstoff, dem Individuum, der Periode der biblischen Geschichte, alle anderen überwiegen, und dann wurden sämmtliche hierauf bezügliche Stellen der heiligen Schrift mit der sich daran knüpfenden Haggada überhaupt legendenartig gruppirt, zum Theil chronologisch geordnet und so entstanden eigene Sammlungen geschichtlicher Haggada, die zum Theil als selbstständige biblische-Legende erscheinen. Hieran knüpften sich freilich großentheils verschiedenartige, auch praktische Interessen. So z. B. war die vorzüglich s. g. Haggada oder Oster-Haggada, d. h. die Sammlung dessen, was auf den Auszug aus Egypten Bezug hat, durch die pflichtmäßige Erzählung am Osterabend entstanden und wieder dafür bestimmt. In einer Art von Geschichtskalender (Megillath Taanith) knüpfte sich an die Aufzählung der historischen Festtage, an denen nicht gefastet werden durfte, manche Erzählung und Sage. Familienpietät oder Rücksicht auf die streng beobachtete Reinheit und Ilnvermischtheit *) Auch die Pefikta heißt schlechtweg: „Midrasch" (Zunz S. 193). Zunz unterscheidet noch die Geheimlehre (Kabbala) — welche auf besonderen Umstande» beruht, und sich mehr eigentliche» Werken anschließt — und die ethische Haggada, deren ältestes nachapokryphisches Werk: Abot (Sprüche der Väter) in seiner Zusammenstellung auch Ursprünglich eine Tradttions - Nachweisung und biographische Charakteristik tendirt. Vergl. Auerbach in Bnsch's Jahrb. f. Jsr. Bd. I. S. 159. 163.

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