Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 10 (Oktober 1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 385 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Sagen- und Legendenkunbe ic. 385 rühmte heilige und fromme Männer im ähnlichen Lichte, wie die der Vorzeit, auch sie werden Gegenstand der ausschmückenden Sage. Ihr Leben, Handeln und Leidewwird zu neuen Sagen und Legenden verarbeitet. — Außerdem verpflanzte der innigere Verkehr mit fremden, gebietenden Nationen (Perser, Griechen, Römer, Araber) und endlich die Zerstreuung in deren Länder selbst, auch den Sagenkreis derselben auf jüdischen Boden. - Der massenhafte Stoff der Haggada überhaupt unter den verschiedensten Formen mußte, nach und nach schriftlich gesammelt, nach verschiedenen, zum Theil durch besondere Zwecke bedingten Rücksichten geordnet Werbern Bei der Halacha mußte der Inhalt oder die Materie sich als Eintheilungsgrund vorherrschend geltend machen, wie uns die Sammlungen derselben (Misch na und Beraitha) zeigen. Aber auch hier finden wir schon früh die Anordnung nach den zu Grunde liegenden oder Anknüpfungspunkte bietenden Stellen aus dem schriftlichen Gesetze (Sifri, Sifra, Mechiltha). In der Haggada mußte dieser Gesichtspunkt aus verschiedenen Gründen noch mehr in den Vordergrund treten. Einmal war schon die Zusammenfassung nach Materien fast an sich unausführbar. Das Judenthum.zeigt sich schon in seiner Basis als eine praktische Regelung des Lebens; es ist mehr eine Religion der „That", als des „Glaubens", wie es der Herausgeber dieser Zeitschrift bezeichnet *). — Die Verhältnisse und Erscheinungen des Lebens ließen sich noch halbwegs für die religiös gesetzlichen Bestimmungen unter gewisse allgemeine Rubriken bringen, nicht so die freie Aeußerung des Verstandes und Gemüthes an Verstand und Gemüth im weiten Bereich des frommen Glaubens, den noch kein dogmatischer Zwang in die Fesseln des Systems geschlagen, die Phantasiegebilde der Sage u. s. w., die in den ältesten Sammlungen der Halacha durch lockere Berührungspunkte derselben angereihet erscheinen und erst später eine gewisse Selbstständigkeit erlangten. Auch war die Halacha mehr Gegenstand eigentlicher Lehrvorträge in Schule und Synagoge, die Haggada mehr freier Vorträge und Unterhaltung auf der Kanzel oder Rednerbühne, dem Grabhügel oder der Festtafel, bei Geburt, Hochzeit und Tod, Abschied und Zusammenkunft**). Hier war die Rede *) Siehe auch „zur Würdigung der Wirren im Judenthum von M... s", wo jedoch der Ausdruck: „Eudamonism" und zum Theil auch die ganze Auffassung des Judenthums zu sehr iu's Paradoxe hinüberstreift. Der Grundidee nach scheint uns dieses Schriftchen unter vielen der Wahrheit am nächsten gekommen zu sein, **) Belege bei Zunz a. a. O. S. 334: Frankel, Zeitschrift >1. 29