Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 10 (Oktober 1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 378 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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378 lieber manche durch den Fortschritt der Medici» im Judenthum k. von dem Wiederaufleben Nachweisen will, wie das Untersuchen wegen Scheintodes seinen Grund habe. Der Beweis aus Joma ist aber schon deßhalb nicht schlagend, weil bei einer Verschüttung, wo das Eindringen der Luft durch das obere Gerolle gehemmt und die Gefahr der Erstickung durch die auf einander gehäuften Massen so drohend ist, wohl das Nichtathmen ein sicheres Zeichen sein mag *). Uebrigens weiß auch R. M. Sofer sich nicht ganz in jenem Begraben in Nischen aus, und gesteht er, daß er nicht begreife, wie, da Maimonides Ebel 3,4 sagt: „man wirft auf die Nische Erde und Steine", eine Untersuchung wegen Scheintodes stattfinden könne. Wir glauben aber, ohne die Ehrfurcht gegen die vorbenannten Rabbiner und noch weniger gegen unfern großen Maimonides aus den Augen setzen zu wollen, hier, wo es einer so wichtigen Wahrheit gilt, auf folgenden Umstand aufmerksam machen zu müssen. Schon R. Natronai Gaon bemerkt (lur Jore Dea 362), „daß man in Palästina die Leichen in Nischen beisetzt, in Babylon in den Erdboden versenkt" (sie wie bei uns begräbt). Die Leiche wurde sogar, wie aus j. Moed Katan 2 b (eitirt bei Tur 1.1.) zu ersehen ist, in Palästina früher ohne Sarg beigesetzt, und maN sammelte erst, wenn das Fleisch schon verwest war, die Gebeine in einen Sarg.. Darum enthalten auch Mischna und Beraita Vorschriften, wie es mit der Trauer, wenn man die Gebeine sammelt, zu halten sei; welches in Babylon, sowie bei uns, nicht zur Anwendung kommen kann. In Palästina bot sich also Gelegenheit dar, die Todten zu untersuchen; in Babylon, da man in Erde begrub, fand sie sich nicht. Ein bestimmter Zweck dieser Untersuchung stellte sich erst durch die zwei in Semachot erzählten Fälle heraus; aber es gehört diese Stelle bestimmt erst einer spaten Zeit (Semachot wurde, wie bekannt, spät abgefaßt; vergl. oben S. 347 Anmerk.) an, da ihrer weder im jerus. noch im babylon. Talmud erwähnt wird **). Semachot zeigt nun den Fortschritt der Erfahrung; aber da diese Stelle sich nicht nach Babylon verbreitet und hier die Gelegenheit zu Erfahrungen selten war, so hielt man sich an das, was man bisher für Zeichen des Todes (worüber aber auch keine bestimmte Nachricht-vorliegt, da jenes Citat aus Joma nicht vollständig beweiset) anzusehen pflegte. Dem in Babylon üblichen Gebrauche, in die Erde zu begraben, folgte man im Abendlande all- *) Chajoth sucht (Darke Horaa 14b.) aus einem anderen Grunde diesen Beweis zu entkräften, wobei er, statt auf geradem Wege zu gehen, es vorzieht, fich in tortuöse Spitzfindigkeiten zu verwickeln. **) Daß diese Stelle spat sei, dürste auch aus l'osekta »chabbat c. 7, 8. hervorgehen, wo so Vieles erwähnt wird,, was wra, und was Solches sei: jenes 131 ‘pnp'ui prnb “pam« wird gar nicht angeführt; es scheint also früher gar nicht im Gebrauche gewesen zu sein.