Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 10 (Oktober 1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 371 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber manche durch den Fortschritt der Medicin!m 3ud?uthum rc. 371 sicherer die Diagnose stellen und die Mittel zur Abhülfe demgemäß anwenden. Welches Experiment steht überhaupt in den Erperimentalwiffenschaften allein? Mochte, wenn z. B. die weitere Sektion bei dem Steinschnitte den Aerzten in London zugestanden worden wäre, der Vortheil sich nur bei einem ähnlichen Falle gezeigt haben, oder wird nicht oft gerade hierdurch Manches über Steinkrankheit überhaupt angeregt, kann vielleicht hieraus sich eine neue Heilmethode ergeben u. dgl. m.? Es muß bei Fragen dieser Art ganz auf die Weise, wie eine Wissenschaft sich entwickelt hat Md wofür sie sich ausgibt, eingegangen werden. Unsere Lehrer selbst folgern aus der h. Schrift, daß ärztliche Behandlung zugezogen werden soll (asi-fc mm «mb issb b&ii x-ni) und ist es dem Arzte zur Pflicht gemacht, daß er mit seiner Hülfe beistehe (vergl. weiter). Man nimmt, wenn man nicht Geschichte nur zu gewissen Zwecken studirt und schreibt, auch hierin wahr/daß hierarchisches Streben ihnen fern gewesen; denn wo solches stattfindet, werden auch die se menschlichen Schwächen — die Krankheiten — ausgebeutet und sollen priesterliche Besprechungen und Wundercuren Ansehen undReichthum fördern. Aber es wird jeder Arzt gestehen, daß seine Kunst viel Unsicheres habe, daß er bei inneren Leiden zuweilen die Quelle des Uebels verkenn^ da er doch keine untrügliche Anschauung hat, sondern nur aus Kennzeichen wahrnehmen kann, Kennzeichen aber oft täuschen oder mit denen einer anderen Krankheit zuweilen so zusammenfallen, daß auch eine vieljährige Uebung sie nicht stets mit ganzer Sicherheit ergründen kann. Nur durch Erfahrungen nähert sich die Wissenschaft der Gewißheit: auf welchem Standpunkte würde sich die Medicin befinden, wenn nicht die Anatomie dem Arzt über das Innere des Menschen Aufschluß gegeben, wenn er nicht sich belehren könnte, ob er gefehlt oder ob er ferner auf diesem Wege fortfahren könne? — Wenn also Schrift und Talmud die Hülfe des Arztes als wesentlich hinstellen und verlangen, daß man ihr vertrauen soll (aber freilich darf nicht dabei vergessen werden, von wem .die eigentliche Hülfe kommt, vergl. Berachot 60 und Mischna Pesachim 54 und die Erklärung des Maimonides hierzu), so muß dem Arzte aus doppelter Rücksicht Gelegenheit gegeben sein, sich zu vervollkommnen: daß er diesem Vertrauen entspreche, und daß er in sich selbst Beruhigung finde, wenn er solches Vertrauen in Anspruch nimmt. Denn der forschende und gewissenhafte Arzt fühlt sich bei einem widrigen Ausgange der Krankheit nur dann weniger entmuthigt, wenn er überhaupt mit Sicherheit zu Werke gehen kann *): und es wird nach *) Nach der talmudischen Lehre ist dieses noch mehr zn beachten, da nach derselben der Arzt, der durch Fehlgriffe den Tod des Kranken herbeigeführt, als ein unfreiwilliger Mörder betrachtet wird nnd in die Znfluchtsstadte (Nnm. 35.) 28*