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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 362

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 362 (sequence 36)
Language
German
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362 Allgemeine theologische Bibliographie. liche Spitze der Sage abgestumpft. Diese Sage will nämlich darstellen , wie nur durch das Allmalige die Veränderungen im Leben unbemerkt an uns vorübergehen; kommt dem Individuum dieses Allmalige abhanden, so kann es nicht in fich zu einer Aussöhnung der alten und neuen Zeit gelangen. Durch die von Hrn. L. eingewebte Katastrophe des Tempelunterganges wird gerade dieser Eindruck verwischt, da hier nicht eine allmälige Veränderung, sondern eine gänzliche Umwälzung dem Erwachenden entgegenstarrte. Sehr poetisch ist der Traum, den der Dichter den siebenzig Jahr Abwesenden sehen läßt; es ist der Blick in das Jenseits und motivirt hinlänglich, wie diese lange Zeit dem Abwesenden nur eine kurze Stunde dünken konnte. Erfindung und Einkleidung zeigen übrigens von dem Talente des Verf., auch ist die Sprache edel und gehalten. — Unter den übrigen Gedichten bemerken wir noch „Wanderlied für israelitische Handwerker, von Siegfried Kapper, in Musik gesetzt von S. Sulzer."— Es folgen nun wieder mehrere prosaische Stücke. „Ephraim Reubel von Anton Langer," basirt vielleicht auf historischem Grund, aber nicht von bedeutendem Werth. — „Duldung, nach dem Arabischen, von M. Maier." Hier ist der Ton der orientalischen Sage richtig angeschlagen. — „Die symbolisch-mythische und allegorische Bedeutung der Taube, von vr. M. Wessely." Der Verf. will mit vielen gelehrten Citaten die Taube zu einem Symbol im Judenthum stempeln; wir zweifeln aber sehr, ob ihm dieses gelungen ist. Die Hinweisung auf den Opfercultus ist sehr schwach, da andere Thiere, vorzüglich Stier und Lamm, ein noch größeres Anrecht auf Symbolifirung hätten; und wenn Sanftmuth, Liebe, Treue u. s. w. unter dem Bilde der Taube gegeben werden, so gewahrt man hier nur die einfache bildliche Darstellung, die sich schon durch die äußere- Anschauung aufdringt, ohne daß eine symbolisch-mythische Allegorisirung mit hineingezogen und eine geheimnißvolle Hieroglyphe gesucht werden darf. Das Abmühen des Verf. in Stellen späterer Paraphrasten und Eregeten scheint, so sehr es ein rühmliches Zeugniß für seinen Sammlerfieiß gibt, eine vergebliche Arbeit, und ist überhaupt das gewaltsame Hineindrängen fremder, einer andern Confession abgeborgter Elemente dem Judenthum eher schädlich als heilbringend. — Den Beschluß macht „das Buch Ben Hammelech Wehannasir, von M. Steinschneider." Der Verf. gibt eine treffliche Skizzirung des vorbenannten Werkes, dessen vorzüglichste Momente hier herausgehoben werden. Hr. St. würde unbezweifelt manchem Leser einen Gefallen erzeugt haben, wenn er nach dem Zwecke dieses Jahrbuches bei etwas weniger Gelehrsamkeit mehrere Proben der Erzählungen und Parabeln des Ben Hammelech mitgetheilt hätte. Man erkennt aus dieser kurzen Anzeige, daß das Jahrbuch reich an Mannigfaltigem und Trefflichem ist, und wird wohl kein Leser es ohne Befriedigung aus der Hand legen. Mögen Herausgeber und Verleger auch in

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