Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 9 (September 1845)
- Date
- 1845-09-01
- Page
- Seite 361 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine theologische Bibliographie. 361 sätze: „Versuch einer Statistik der Israeliten in Ungarn" und „die Schicksale und Bestrebungen der Juden Ln Ungarn von Leopold Löw " bieten Interessantes sowohl über die gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in Ungarn, als über deren Geschichte in der Vergangenheit. Der Vers, legt tüchtiges Quellenstudium an den Tag; und sehen wir mit vieler Erwartung der Fortsetzung entgegen, die der befähigte Herr Löw verspricht.— Die Perle des Jahrbuchs bildet „eine alte Stimme, von Dr. L. Zunz." Der Vers, bewährt an sich die Wahrheit des obenan gestellten ersten Satzes: „Seit den heiligen Propheten hat es nicht an Männern gefehlt, die Israel seine Fehler vorhielten." Zunz, wenn auch in ernsten Studien vertieft, fühlt mit Wehmuth die Schwachen und Fehler der Gegenwart und läßt an sie „die alte Stimme" ergehen, die, indem sie eine Schilderung der Mangel ihrer Zeit gibt, der jetzigen den treuesten Spiegel vorhält, in welchem sich ihr Bild ganz reflectirt. Wir führen hier einen Zug (S. 81.) an: „Vor den christlichen Knechten durfte in vielen Häusern das Wort Jude gar nicht erwähnt werden. Man gewöhnte die Kinder in den ersten Jahren schon an Sitten der Landesbewohner, die sie die ihrigen ganz vergessen machten. Nicht an Purim, wie die Schrift und väterliche Gewohnheit lehrten, sondern an 'Weihnachten wurden Kinder und Erwachsene beschenkt rc." Wenn die alte Stimme weiter klagt: „und die Töchter reicher Häuser konnten nicht mehr Hebräisch lesen," wie würde ihre Trauer sich erst in unserer Zeit vermehren, da sie auch über die „ Söhne " solche Klage zu führen hatte, und die Lehrer selbst solches entschuldigen und billigen und das Hebräische ganz verdrängen wollen! — Ob diese alte Stimme genau einem alten Autor in dessen Schilderung der jüdischen religiösen Verhältnisse in Spanien entnommen sei, wissen wir nicht; doch geben die Beschreibungen eines Ben Scheschet und Simon Ben Zemach hinlänglichen Stoff zu solcher Klage. — Die hierauf folgenden „Bilder und Gleichnisse von vr> Gotthold Salomon" wollen alte Sagen in der Herder'- schen Manier wiedergeben und neue in jenes alte Gewand kleiden. Doch ist hier Alles zu sehr modernistrt und zerfasert, ist Breite ohne Tiefe: der wahre Gegensatz zu dem alten Midrasch, der wenig spricht und viel denkt. — Nach einem kurzen Aufsätze, „drei Pflichten des Weibes von A. Schmidl", werden uns Gedichte gegeben, von denen als die gelungensten herauszuheben sind: „Alexander und derTodtenkopf von L. A. Frankl," ferner „Gedichte von einem Unbekannten;" nur daß die letzteren etwas an Sentimentalität und Ueberreizung leiden. — „Das Hohe Lied, in Reime übertragen und erklärt von Dr. Daniel Sanders," eine erotische Tändelei, wäre vielleicht in einem Musenalmanach, den doch dieses Jahrbuch nicht bilden will, besser an ihrem Orte gewesen. — ,,Der siebenzigjährige Traum, eine altjüdssche Sage von vr. M. Letterls," spricht durch Inhalt und Tieft an; nur hat der Verft gewaltsam die Zerstörung des Tempels mit hinein gedrängt und so die eigent- Frankel, Zeitschrift II. 27