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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 356

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 356 (sequence 30)
Language
German
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356 Bericht über Synagoge und Schule Ln Baiern. Synagogen und den Gottesdienst, lasten aber die bestehenden und bestätigten Shnagogenordnungen ihrem Verfalle entgegengehen; sie haben die Aufsicht über den Religionsunterricht in den Schulen, ohne jedoch die Rechte eines Inspektors zu besitzen; sie führen die Civilstandsregister; sie nehmen ausschließlich Trauungen vor (Nichtrabbinen sind in diesem Punkte vollkommen Laien), und entscheiden die immer seltner vorkommenden tvfetoü u. dergl.—• Man sieht, der baier'sche Rabbiner ist so ziemlich Herr seiner Zeit; er ist als Rabbiner Niemanden untergeordnet, nur die weltliche Behörde ist ihm vorgesetzt; und da sie selbst dasPrincip der Laienschaft aufgestellt haben und darin von christlichen Behörden unterstützt werden, so können sie sich zu ihrer eignen Strafe nicht leicht einen Tag vom Rabbinatssitze ohne amtliche Veranlassung entfernen, weil sie Niemanden haben (besonders auf dem Lande), der sie vertreten darf. Hinsichtlich des Gehalts der Rabbinen herrscht wieder die größte Verschiedenheit. Wahrend es Stellen gibt, welche über tausend Gulden eintragen, gibt es wieder viele und die meisten, welche nur 500 oder 400 fl., ja auch unter dieser Summe eintragen; man wird es kaum glauben, daß dieRabbinatsstelle in der Kreishauptstadt Ansbach nur auf 300 fl., sage drei hundert Gulden, dotirt ist. Dazu kommt noch, daß sich die Accidenzien der Rabbinen durch die erschwerten Ansässigmachungen und die zahlreichen Auswanderungen junger Leute immer mehr vermindern, so daß also unsere Rabbinen in pecuniärer Hinsicht nicht auf Rosen gebettet sind. Anlangend den Standpunkt der einzelnen Rabbinen in unseren religiösen Wirren dürfte folgende Parallele der Wahrheit sehr nahe kommen. In Oberfranken ist, mit Ausnahme des Nestors der germanisch gebildeten baier'- schen Rabbinen, des Herrn Rabbinen Rosemfeld in Bamberg, durchweg die reformistische Richtung vertreten; in Unterfranken zahlt man Leb recht in Niederwerrn und Adler in Kissingen dieser Richtung bei, die Andern sind streng konservativ. In Mittelfranken sind die verschiedenen Richtungen noch immer am stärksten vorhanden. Da gibt es alte Männer noch ganz aus der alten Schule, junge Männer nach altem Schnitt, gemäßigte Reformer und Radikal-Reformer. Hier wäre der Ort, über Herrn Rab. v. Lö wy in Fürth, diesen „mit den Hörnern der Verfolgung in die Berühmtheit hineingestoßenen Mann^, ein Wort zu sagen, aber es widerstrebt uns, auf den noch einen Stein zu werfen, welcher jetzt von einer Seite verfolgt wird, von der ihm früher so sehr gehuldigt und unsere Wirren zum Theil erzeugt worden sind. — Die Mehrheit der Rabbinen von Schwaben und Neuburg war von jeher mehr dem Conservatismus zugethan; aber auch solche unterschrieben jetzt das Circular gegen die Braunschweiger Rabbinen-Versamm-!ung, deren Gutachten in dem bekannten v. Löwy'scheu Proceß zu den so-

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