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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 355

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 355 (sequence 29)
Language
German
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Bericht über Synagdge und Schule in Baiern. 355 Tüchtigkeit des Candidaten nicht aus dem Auge gelassen; es handelt sich gewöhnlich um zwei Candidaten, von welchen einer mit entschiedener Majorität gewählt wird. — Neben ven beregten Kleinlichkeiten kommt aber noch eine Potenz, die religiöse Gesinnung des Candidaten, in die Wage, worüber wohl Niemand seine Billigung zurückhalten tvürde, und mit Recht, wenn wirklich immer der fromme Sinn, die Ueberzeugungstreue, der Fond religiöser Bildung in Anschlag kämen. Gewöhnlich sind es aber nur der Schein, das Wort, welche sich geltend machen, und kann dieß um so leichter geschehen, weil die Gemeinden lieber immer Candidaten als angesteltte Rabbinen wählen, so daß ein Rabbiner, hat er nicht besondere Familien-Connerionen, selten auf Beförderung rechnen kann. Wahrhaft religiöser Sinn neben tüchtiger theologischer, wissenschaftlich germanischer Bildung allein sollten den Gemeinden den Maßstab ihrer Wahl abgeben, und sollte ihnen die Wahl ihrer Lehrer in den Jahren 1828 und 1829 ein'Beispiel der Warnung und der Lehre sein. Damals ließen sich viele Gemeinden von Nebenrücksichten leiten und bereuen es jetzt, keinen tüchtigen Lehrer zu haben, wahrend diejenigen, welche nur die Tüchtigkeit berücksichtigten, sich glücklich fühlen und von solchen beneidet werden, die damals zur Verketzerung ihrer gewählten Lehrer geneigt waren. An den nun angestellten Rabbinen ergehen jetzt die verschiedenartigsten Anforderungen der Parteien. Die Einen wollen, er solle etwas thun, d. h. reformiren, die Andern, er solle nichts Neues auf- und nichts Altes abbringen; Alle aber, er solle wenig oder gar keine Gebühren erheben; kann es ohne Kosten geschehen, die Schulen inspiciren, auch predigen, sich aber nach keinerlei Richtung hin irgend das Mindeste zu Schulden kommen lassen! Man lauert ordentlich darauf, an dem Charakter des neuen Rabbinen irgend ein Fleckchen oder in ihm einen Mangel des Wissens zu entdecken, um es dann mit beliebigen Zusätzen auszuposaunen. Ist er daher nicht ein! Mann von festem Charakter, von gediegenem Wissen und andrerseits von einer an Charakterlosigkeit.grenzenden Friedensliebe, so hat er es bald mit Allen verdorben, über ein Kleines wirst man ihm einen Proceß an den Hals und die Hyder der Zwietracht erhebt ihr Haupt. Gewöhnlich sind aber unsre Candidaten und jungen Rabbinen pastore.lklug genug, es mit Keinem zu verderben, man läßt hübsch Alles gehen, wie's eben geht, auch die früher auf Reformen dringenden Rabbinen lenken wieder ein und so leben wir im tiefsten Frieden, der Unhold Reform ist verscheucht und, bis ein andrer Wind wieder gehen wird, gänzlich aus dem Felde geschlagen. — Gleichwohl hört man vielfach die Beschuldigung: unsere Rabbinen wollen nichts thun! Es erstreckt sich aber die Wirksamkeit unserer Rabbinen auf Folgendes. Sie predigen, wenn gleich sehr selten und in den Filial-Synagogen gewöhnlich nur einmal-im Jahr, manche gar nicht; sie haben die Aufsicht über die

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