Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 9 (September 1845)
- Date
- 1845-09-01
- Page
- Seite 353 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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353 ' Bericht über Synagoge und Schule in Baiern. Jahren, well dazumal die Verordnung, es lernen zu müssen, bestand, erlernt hat, wird noch als Bagatelle behandelt; ein Gymnasium hin und wieder der Form nach, um ein Absolutorium zu erhalten, besucht, und auf der Universität? da ist man ja ein Musensohn, da kann man sich sein Studium beliebig wählen, und" es giebt Gottlob! Professoren und andre Beamte genug, die so brav sind, sich bei jüdischen Eraminanten mit einem geringen Maaße von Wissen zu begnügen. Aber seht euch vor! Es können Einzelne durchkommen, aber Viele, welche ihre schönsten Jahre ungenützt dahin fließen lassen, werden schrecklich enttäuscht werden. Laßt euch darum nicht irren, ihr Jünglinge, die ihr neben gründlichem Studium des Talmuds rc. auch den andern Wissenschaften mit Eifer und Fleiß obliegt. Ihr verfahret nur im Geiste unsrer Religion und nach dem Beispiele unsrer großen Männer der Vor- und Jetztzeit. Schon erkennen viele Gemeinden, daß Orthodorie und tüchtige weltliche Bildung einander nicht' ausschließen; einen guten Prediger will man vollends überall haben und das lernt sich wahrlich nicht über Nacht; und wie viel eine Gemeinde an äußerer Achtung gewinnt, an deren Spitze ein tüchtig gebildeter Rabbiner steht, das lehrt die tägliche Erfahrung. Man sieht also, welche Willkür schon bei der Berufsbildung des Rabbinen herrscht und wie viel durch die ordnende Hand des Gesetzes, noch mehr aber durch eine geistliche Oberbehörve zu thun wäre. Den Abgang einer jüdischen Facultät oder eines Lehrstuhls der jüdischen Theologie theilen wir mit allen deutschen Israeliten. Zwar ist im 1.1828 durch Erlaß der Regierung von Mittelfranken (damals Rezatkreis) den Rabbinatscandidaten ein zweijähriger Besuch der Talmudschule zu Fürth zur Pflicht gemacht, und ist auch damals ein eigner Talmudlehrer dort angestellt wopden; allein die Anstalt besteht nur dem Namen nach, Niemand denkt an eine Befolgung dieser Anordnung und Hr. Heidegger, übrigens ein Mann von gediegner Bildung und bescheidnen wackern Charakters, ist ohne Schüler!— So die Vorbereitung. Glaubt nun ein Jüngling, ihr Genüge geleistet zn haben, so verschafft er sich von irgend einem Rabbinen eine Morenu, ob von einem aus irgend einem Winkel oder von einer „Berühmtheit", gilt natürlich den Behörden gleich, und wir haben auch noch nicht gehört, daß Gemeinden bei ihren Wahlen darauf sonderliche Rücksicht genommen hätten. Bezüglich der Anstellungsprüfung, die nun folgt, herrscht auch wieder die größte Willkür. Die Regierung von Mittelfranken hat vor ungefähr 18 Jahren (seit der Zeit aber nicht mehr) eine solche abgehalten, bei welcher hohen Anforderungen zu genügen war. Deßgleichen auch die von Oberfranken vor ungefähr 12 Jahren. Gewöhnlich aber geht man nach München oder Augsburg, erbittet ~ sich „eine Privatprüfung, und was bei einer solchen gefordert wird, ist so we- * nig, daß sie ein gut unterrichteter Lehrer recht wohl bestehen kann. — Der Rabbinatscandidat ist vollkommen fertig!