Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 9 (September 1845)
- Date
- 1845-09-01
- Page
- Seite 351 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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351 Bericht über Synagoge und Schule in Baker». thigte selbst die am Hergebrachten sich Anklammernden zu einigen Concesflonen, die Liebe zum Frieden die Reformer, eine Abschlagszahlung anzunehmen — mancher tiefer Eingeweihete mochte das Ungewitter schon leise grollend nähern hören — und so wurden alle vorgelegten Fragen in allen Kreisversammlungen oder Synoden, wie sie sich lieber nannten, mehr oder weniger im reformistischen Sinne erledigt und. waren es besonders die Lehrer, welche durch ihre numerische Zahl allen Fragen eine entschiedene Majorität in genanntem Sinne in fast allen Versammlungen zuwendeten. Jeder Kreis erhielt eine.Synagogenordnung, welche wenigstens überall die gröbsten Mißbräuche abstellte; das Verbot des Sabbatschreibens ward mehr oderweniger modisicirt; die besseren Religionsbücher wurden zur Einführung empfohlen und ein Entwurf über die Bildung eines Konsistoriums oder Ober- Rabbinats berathen und angenommen. Es war überall etwas geschehen. Man glaubte sich am Vorabend großer reformistischer Ereignisse. Aller- Augen harrten der Dinge, die da kommen sollten. — Mitten in diese Welt voll rosenfarbner Hoffnungen fuhr wie ein Blitz aus heiterm Himmel das bekannt Neologen-Rescript. Gleichzeitig sielen auch einige Schläge in Gestalt allerhöchster Rescripte in das Pulvermagazin der Reformer, und der bisher gehätschelte Rabbiner D. I. Löwy in Fürth wurde hart getadelt und quasi unter Aufsicht gestellt. — Und der Schlüssel zu diesem Allen? Der Minister Fürst Wallerstein war abgetreten. Das änderte plötzlich den ganzen Stand der Dinge. Jetzt waren die Anti-Reformer, die „Alten", oben und-zeigten sich in ihrem Begehren und Streben eben so ungemessen, und das nichtsnutzige Denuncianten-Wesen, die politische Verdächtigung machte sich die Gelegenheit reichlich zu Nutzen und drückte seine giftigen Pfeile nach allen Seiten-zum Nachtheil der Juden ünd des Judenthums ab. So sahen wir Rabbinen und Gemeinden gegen eine Synagogen-Ordnung auftreten, welche sie selbst kurz vorher durch Zustimmung hervorgerufen hatten; viele Jahre angestellte und bestätigte Rabbinen wurden einer neuen Wahl ihrer Gemeinden unterworfen und dadurch dem Parteihasse neue Nahrung zugeführt; Klagen über Mangel an Anhänglichkeit an die mosaischen Satzungen von Gemeinden gegen Rabbinen und Lehrer*) erhoben; angehende Rabbinats-Candidaten warfen alles andre Wissen als unnützen Ballast über Bord und trieben ausschließlich das Talmudstudium, wie vor weiland 25 Jahren; Handelsleute wurden als Rabbinen angestellt und, nachdem sie bei der Prüfung durchgefallen waren, von ihr dispensirt und unge- *) Eine Landgemeinde hat ihren Lehrer des Mangels der Anhänglichkeit an die mosatschen Satzungen darüber angeklagt, weil'er am vnn und dergl. Tagen Schule gehalten.