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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 350

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 350 (sequence 24)
Language
German
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250 Bericht über Synagoge und Schule in Baiern. goldnen Periode jüdischer Kanzelberedsamkeit. Allmalig zeigten sich schon dazumal absonderliche Erscheinungen. Das Studium manches Rabbinatscandidaten glich mehr dem eines Philosophen oder Philologen als dem eines jüdischen Theologen; es ward mit Predigten förmlich gastirt, und hin und wieder ließ sich ein Kandidat vernehmen: er fühle sich berufen, das erotische Gewächs: jüdische Religion, seiner Auswüchse zu beschneiden und es hübsch modern zuzustutzen. Nebenbei regte sich manches Gute. Das Bedürfniß eines geregelten Gottesdienstes begann sich fühlbar zu machen, es sprach sich wirklich ein Verlangen nach deutscher Predigt aus, welchem Rabbinen und Lehrer nach Geschick zu genügen suchten. Damals hat mancher Lehrer geräuschlos und ohne Widerstand Einrichtungen ins Leben gerufen, wie z. B. Konfirmation, eine neue Shnagogenordnung rc., von deren Einführung jetzt gewaltiger Lärm in öffentlichen Blättern erhoben und die als zu ihrem ausschließlichen Ressort gehörig von Rabbinen eingeführt werden. Der eigentliche Wendepunkt aber trat erst im Jahre 1830 rc.ein. Fortgerissen durch die Bewegung der Geister in der politischen Welt sprach sich auch in unserm kirchlichen Leben vielseitig-der Wunsch nach Reform aus, und die Männer, welche diesem offen huldigten, wurden die Herrscher des Tages. Hie und da begann man bereits Hand ans Werk zu legen, und die Presse ermangelte nicht, in die Lärmposaune zu stoßen und oft Männer und Sachen über Gebühr zu erheben. Jetzt mußte jeder Rabbiner, wollte er nicht als ein Finsterling, als ein „Schwarzer" gelten, über Hals und Kopf reformiren, oder doch wenigstens die Reform als zulässig erklären, nur dürfe man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, nicht dem Volke plötzlich das ihm, heilig Gewordene nehmen u. s. w. So sprachen Viele, besonders den Behörden gegenüber. Ueber diesem üppig'wuchernden Gefilde der Reform schwebten nur wie leichte Nebelwölkchen das Geschrei über destruktive Neuerungen und die erfolglos erhobenen Beschwerden bei den höchsten und allerhöchsten Stellen. Die Zahl der Rabbinen-Doctoren wuchs; man überzählte schon heimlich die Kräfte, auf welche man bei einem kräftigen reformatorischen Schlag zählen könne, die Rabbinen, auch die der alten Schule, stempelten sich zu Priestern, Geistlichen, alle Nichtrabbrnen aber zu Laien im christkatholischen Sinne, die bei den Gerichten und Regierungen anhängigen kirchlichen und rituellen Anstände wurden nur den Rabbinen der neuen Richtung zur Begutachtung überwiesen, und im 1.18Ä6von allerh. Stelle nach den Kreishauptstädten Versammlungen von Rabbinen, Lehrern und Gemeindeabgeordneten unter Vorsitz eines Regierungs-Eommissärs berufen, welche über alle obschwebenden kirchlichen Tagesfragen Berathung pflogen und Beschlüsse faßten. Eine General-Synode sollte, diesem Allen die Krone der Vollendung aufsetzen. Die Reform hatte ihren Kulminationspunkt erreicht! — Der Geist der Zeit nö-

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