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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 333

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 333 (sequence 7)
Language
German
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Religiöser Ernst, die Grundbedingung des Reformireus rc. 333 Göttlichkeit des Gesetzes nicht auZ, greift aber lustig in dasselbe ein, und möchte, wie es auch immer angehe, was einer Anschauung und den socialen Verhältnissen nicht convenirt, als die strenge Sabbatfeier, i. e. das Verbot der Gewerbsthätigkeit, und die Speisegesetze ausscheiden^ Wie steht es aber mit der Göttlichkeit der Bibel? Je nun, wirerkennen sie gern an, wenn wir nur erst nach unserer Auslegung mit unfern Wünschen im Reinen sind. Co laßt aber der Gläubige nicht mit seinem Religionöbuche umspringen; er ruft den Reformern zu: „Genieße, wer nicht glauben kann; wer glauben kann, entbehre! " — Tritt aber der Breslauer Reformverein bestimmt nichtgläubig auf, so erscheint der Berliner unbestimmt gläubig. Er bekennt sich zum positiven Judenthum, nachdem die seinen Messias vertretende Synode dasselbe ermittelt haben wird, ungefähr wie der Talmud nach erfolgloser Debatte den Ausdruck ip^n gebraucht; er erkennt die heilige Schrift als göttlich an, aber nicht dem Buchstaben, sondern dem Geiste nach. Aber was ist das für ein Geist? Ist es der Zeitgeist, der Geist der Kritik? Der Geist eines modernen Philosophems? Der Geist der Accomodation? Der Geist des Judenthums hat sich bereits ausgesprochen und sich historisch geltend gemacht, und wenn dieser gemeint war, so durfte man nur deutlich sprechen, man wolle im Geiste der Tradition, ihr analog, fortwirken und reformiren, ohne den Glauben an die Schrift der Beschränkung und Verrenkung auszusetzen. Wie sehr die letzteren Vereine durch die Art ihres Auftretens sich geschadet haben, wie wenig sie auf Vertrauen Anspruch machen können, geht schon daraus hervor, daß der Frankfurter Reformverein sie mit sich in einen Kranz der Dreieinigkeit flicht. Gewiß geschieht ihnen dabei Unrecht, das aber durch ihren vagen Geist veranlaßt.wurde. Die rechte Tendenz der Reform hat allerdings die Rabbiner-Versammlung gefunden. Die Autorität der Bibel und des traditionellen Judenthums unangetastet, stellt sie den Satz „Erhaltung und Fortbildung des Judenthums" als ihr Princip auf; also das Judenthum in der recipirten Weise durch Fortbildung zu erhalten. Und gewiß würde sich dieses Institut einer schönen Blüthe, eines immer größer» Zuwachses an Theilnehmern und Anhängern zu erfreuen haben, wenn nicht leider seineArt zu reformiren dieseTendenz Lügen strafte und offenbar darthäte, daß man über Bibel-und Tradition schwieg, nicht weil sie erhaben über die Debatten ihnen zu Grunde lägen, sondern um nicht durch ein ausgesprochenes Princip anzustoßen und desto willkürlicher in der scheinbaren Principlostgkeit zu schalten. Wir schweigen über den leichtfertigen Ton der ersten Rabbinenversammlung, über die kecken Demonstrationen gegen den Talmud, die Verachtung desselben und der früheren

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