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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 332

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 332 (sequence 6)
Language
German
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332 Religiöser Ernst, die Grundbedingung des Reformirens rc. In dem bei weitem größten Theile der Juden aber, selbst derjenigen, welche in der Praxis minder genau sind, lebt noch das Bewußtsein von den Grundlagen, mit welchen das Judenthum steht und fällt, lebt noch der heilige Sinn für Religion überhaupt, nach dem sie den Ernst einer Reformationsweise zu bemessen verstehen. Sie wissen, daß ohne Glauben an die Göttlichkeit der biblischen Gesetze in ihrer Integrität das Judenthum ein Unding sei; sie wissen, daß die Schrift unserm Geiste die Norm, nicht jener der Schrift eine beliebige Deutung geben, noch weniger ihren Buchstaben ignoriren darf, wollen wir nicht ein Spiel mit den Religionsgesetzen treiben; sie wissen, daß die meisten religiösen Vorschriften ohne Halt wären^ wollten wir nach unserer vom Leitgeiste bestochenen Exegese und Kritik aufheben und umgestalten und nicht vielmehr der durch mehr als zweitausendjährige Praxis geheiligten Tradition treu bleiben. Sie werden dem Talmud, mag er immerhin antiquirte Ansichten seiner Zeit enthalten, in ritueller Hinsicht ihren Gehorsam nicht aufkündigen; sie werden stets, trotz aller Denunciation, den Autoren des Talmuds und den Rabbinen der Vorzeit, als ihren musterhaft redlichen, von Wahrheitsliebe und Religiosität durchdrungenen Lehrern Vertrauen und Ehrfurcht zollen, und den verachten, der jene verachtet und belächelt. Eine Reform, die an Schrift und Tradition, diesen Säulen des Judenthums, rüttelt und meißelt, die mehr Freude am Einreißen als Lust zum Aufbauen, einen Sturm gegen dasCeremonialgesetz zeigt, die eine Sucht zur Schau trägt unter dem Vorwände der Vaterlandsliebe und des Deutschthums das Judenthum aller charakteristischen, historisch ausgeprägten Eigenthümlichkeit zu entkleiden; eine Reform, die mit Jubel verkündet, daß hier und da schon Lücken in das Gebäude geschlagen sind und nun frisch darauf los sprengt, um sie recht erklecklich zu machen, wird selbst von den Ultra-Liberalen nur mit Lächeln ausgenommen, von den Conservativen aber mit Indignation zurückgewiesen werden, wird selbst das Bessere, was sie bietet, weil es vonähr kommt, verworfen sehen', und statt Reformation auf der einen Seite Auflösung auf der andern, Reaktion bewirken. Und das war die heillose Wirkung des Frankfurter s. g. Reformvereins, der das Judenthum nicht zu reformiren, sondern zu eskamotiren gedachte, der buchstäblich an seiner Gottlosigkeit scheiterte, indem er alles Positive laugnend, selbst den Glauben an einen einigen Gott, wenn er ihn hatte, nicht als geoffenbarten, sondern als Vernunftschluß, der binnen einer Nacht entstehen und vergehen kann, annahm. Er scheiterte; aber nicht ohne auf der einen Seite Spuren der Verheerung und auf der andern Mißtrauen gegen alle Reform zu erregen. Sein Nachfolger, der Breslauer Reformverein, spricht sich über die

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