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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-09-01 · 9 (September 1845) · p. Seite 330

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 330 (sequence 4)
Language
German
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330 Religiöser Ernst, die Grundbedingung des Ref»rm!rens k. . Werkthätigkeit in den Kaufläden und Werkstätten durch Nichtjliden gestattet, so fern sie nur von dem jüdischen Kaufmann oder Professionisten durch Anwesenheit in der Synagoge und Anhörung der Predigt zu einer sabbatlichen geweihet wird; ja selbst deren größte liberale Kraftanstrengung, mit welcher sie zur Noth dem Juden selbst die Mitwirkung erlaubt, — dieß Alles kann den Adressanten nicht genügen. Man spreche lieber geradezu den Grundsatz aus: Herrendienst geht vor Gottesdienst! oder der Staatsdienst überhebt unbedingt der Sabbatfeier, und erkläre, daß Alles, was zum Wohlstände des Staates irgendwie beitragen könne, ohne Engherzigkeit nicht vom Staatsdienste ausgeschlossen werden dürfe; daß es mithin die Pflicht eines jeden redlichen jüdischen Staatsbürgers sei, sein Geschäft am Sabbate zum Wohle des Staates ununterbrochen zu betreiben *). Was nützen den Heißhungrigen jene Brocken, die eine engherzige Rabbinen-Versammlung auch bei dem besten Willen ihnen nicht groß genug bieten kann? Sie wollen Alles, was sie sich bisher gegen das Gesetz erlaubt, nicht nachgesehen, nicht entschuldigt, — nein, sie wollen dieses Alles „zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung seines Namens" zur Religionspflicht erhoben wissen. Haben diese Herren eine Basis, einen innern Haltpunkt? Sind sie eine imposante Majorität? Zählen wir auch alle Unterschriebenen, auch die Indifferenten, die aus Gefälligkeit gegen Den und Jenen unterschrieben; auch die Gedankenlosen, die sich von glänzenden Wörtern, wie: Zeitgeist, Fortschritt, höhere Anschauung, Universalismus rc., benebeln lassen, ohne zu wissen, um was es sich handle, — zählen wir sie Alle mit, so bleiben sie immer eine winzige Schaar, der das positive Judenthum zum Theil, wo nicht ganz, abhanden gekommen ist, schwinden vor der gegenüberstehenden Gesammtheit und geben nichts weiter kund, als daß es heute, wie immer, Juden gebe, die ihren Religionsvorschriften nicht treu sind, oder sich auf eigene Faust ein Judenthum der bloßen Idee mit einer wächsernen Nase bilden, nur mit dem Unterschiede des keckern Hervortretens. Woher kommt dieses Mißlingen, was ist der Grund dieses Scheiterns? Warum folgt nicht Gemeinde auf Gemeinde den Reformern? Warum bedürfen sie so vieler Künste und Reisen und Aufforderungen und Mühseligkeiten, um Unterschriften zu erschwingen? Fehlt es der Masse etwa an Muth? — O des traurigen Muthes! Den Reform- *) Wenn auch eine wirklich zur Rettung oder Erhaltung des Staatswohles erforderliche, unaufschiebbare Handlung am Sabbat erlaubt, ja Pflicht ist, so wäre es doch Verrath, dieß auf alle Aemter und Aemtchen, ja bis auf die Züchtlinge auszudehnen, wie einer hochpreislichcn israelitischen Oberkirchenbehörde zu Stuttgart beliebt hat.

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