Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-08-01 · 8 (August 1845) · p. Seite 308

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
8 (August 1845)
Date
1845-08-01
Page
Seite 308 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2744856-2744869-2744878--0739-2745691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

308 Ueber bic Zeit der Entstehung des SyuhedrinS. Freundschaft alle mögliche Beweise der Achtung nnd Anhänglichkeit an den Tag zu legen, die sie am klarsten in der Nachbildung ihres höchsten Rathes zu manifestiren glaubten. Nun lesen wir in Livius XLV. 32. 2, daß die Römer in Macedonien bgi der Republikanistrung desselben die Regierung gewissen Senatoren übergaben, die sie Synedri nannten. Es laßt sich daher mit gutem Grunde vermuthen, daß in Folge der Verbindung auch die Vorsteher des jüdischen Volkes unter diesen Umständen den den Römern verhaßten griechischen Namen yt^ovaia in den ihnen willkommenern Namen Synedrium umgewandelt und mit der Veränderung des Namens diesem zugleich eine andere dem römischen Senate ähnliche Einrichtung gegeben habe. So wurden demselben — nach dem Vorbilde der zwei Consulen in Rom — zwei Vorsteher, ein und ein ins* an die Spitze, und wie dort den magistratus majores die magistratus minores (siche Gell. Cap. 14, 13), so auch hier die zwei kleinern Synhedrin an die Seite gesetzt. Ja sogar der Vortrag und die Sitzordnung hatte viel Aehnliches mit der des römischen Senats. Daher finden wir auch um diese Zeit die erste Spur von den rn"'t, die mit srns ms itsv' in "ot und mbum-’ ms “,3m-’ -p ■W’ begonnen haben und in einer ununterbrochenen Reihe nach einander folgten (Aboth l, 4 ff. und vr. Zunz: Gottesdienstliche Vorträge, S. 37, Anmerkung e). Da nun durch diese gewiß von den Römern begünstigte Einrichtung die Macht des Hohenpriesters nothwendiger Weise beschränkt werden mußte, so ist auch leicht erklärlich die Spaltung zwischen ihm und dem Synedrium, die wir um diese Zeit bemerken, und die separate' Richtung, die wir jeden von ihnen nehmen sehen. Denn der Hohepriester suchte, um sich Ersatz zu verschaffen, immer mehr der Staatsangelegenheiten sich zu bemächtigen und sie dem Synedrium ganz aus den Händen zu reißen, und dieses hatte dadurch Muße gewonnen, sich mehr dem Studium und der. Auslegung der Gesetze hinzugeben, daher nahm auch der Midrasch in dieser Zeit so überraschend am Umfange zu. Wir könnten wohl mit dieser gewonnenen Ansicht in's Detail gehen und so manche auffallende Erscheinung erklären und manche Schwierigkeit heben in dieser Geschichte; aber es genüge indeß, das Wichtigste angedeutet zu haben; sollte übrigens dieser Versuch sich der Würdigung irgend eines gelehrten Forschers erfreuen, so wollen wir gern das Nöthige noch nachtragen. Ist diese Skizze nun wahr und nur einigermaßen in der jüdischen Geschichte motivirt, so hätten wir einen Beleg mehr, daß auch die Juden damaliger Zeit nicht unempfindlich waren für's weltliche Leben, daß auch sie Sinn hatten für Association und Amalgamation, denn nur diese hatte, wie wir gesehen, den Impuls immer gegeben zur Umformung ihres wichtigen Instituts, und doch ging er nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.