Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 8 (August 1845)
- Date
- 1845-08-01
- Page
- Seite 303 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber die Zeit der Entstehung des Synhedrins. 303 Wir glauben nämlich zu dem Resultate gekommen zu sein, daß alle die Benennungen, als: Lnü .yt^ovoia, ■p'inad einem und nung geschieht von einem Senate oder einem Synhedrin in der Ausdehnung, wie er im Talmud vorkommt, so lasten sich doch daselbst deutliche Spuren von dem Bestehen des Rathes der Aeltesten, der die höheren Angelegenheiten Israels, leitete, ja oft Richter und Könige einsetzte, und, wenn auch mit häufigen Unterbrechungen, doch größtenteils von Moses bis zur Zerstörung des ersten Tempels (zur Zeit der Könige jedoch beschrankter) in Wirksamkeit war, nicht verkennen. Daß zur Zeit Josua's die Aeltesten so in ihrer Würde verblieben, wie unter Moses, ist aus Josua Cap. 7, 5. 8, 33. 23, 2. 24, 31 u. a. m. ersichtlich. Bei dem Verfalle mit den Bknjamiten 2)Ä^L) waren es die Aeltesten (Richter 21, 16), die die Nothhülfe anriethen. Jiphtach wird (Richter 11) von den Aeltesten GLlead's (der damaligen Hauptstadt in Israel, weil der frühere Richter Jair in Gilead war) zum Richter gewählt. 1. Samuel. 8, 4 sind es die Aeltesten, die als Repräsentanten des Volkes einen König verlangen, und II. Sam. 3, 17. 5, 3. 17, 4 ist der Eiufiuß nicht zu verkennen, den die Aeltesten auf die Wahl und Einsetzung der Könige gehabt. I. Könige 12, 6 werden die Aeltesten, die dem Könige Salomon zur Seite standen, von Rechabeam zu Rathe gezogen. Ihr Rath wird nicht befolgt; aber dieses beweist nur, daß die Könige damals schon eine unumschränkte Macht zu usurpiren begannen. Daselbst (20, 7) sitzt der König Achab mit ihnen zu Rathe; 2), 13 üben die Aeltesten der Stadt Jesreel eine Justiz aus, ganz wie die, die III. B. M. (24, 16) vorgeschrieben ist. Elischa hatte die Aeltesten um sich (II. Könige 6t 32). Jehu wird von den Aeltesten (II. Könige 10) auf den Thron gesetzt- Der Prophet Jesch. eifert (3, 14) wider die Ungerechtigkeit, die Gewalt der Aeltesten. Jecheskel ergießt sich in bitter Klagen über die Alten, die sich immer noch an ihn halten (8, 1. 14, 1. 20, 7 Jecheskel). Cap. 6, 11 sieht er gar die 70 Männer der Aeltesten, die irgend Ln der letzten Zeit, nach der Regierung des jüdischen. Königs Joschia (in dessen Zeit der Vater des Jaasanja, Schafan, Schreiber war), wie auch aus II. Könige 23, 1 zu vermuthen ist, daß zu dieser Zeit ein solcher Rath bestanden habe, in Wirksamkeit gewesen sein mögen. Daselbst 9, 6 schweben ihm die Aeltesten vor Gesicht, am Vorhofe stehend. Freilich erzählt Jecheskel nur ein Gesicht; aber sein ganzer Vortrag wäre ohne Werth und Nutzen für die Aeltesten gewesen, die neben ihm saßen, wenn er keine Beziehung aufs wirlliche Leben gehabt hätte. (Wenigstens geht daraus hervor, daß man zur Zeit der Abfassung des Buches Jecheskel mit der Idee eines solchen Rathes schon ziemlich vertraut .war.) Mit diesem Allen ist auch der Chronist II. Chron. 19, 8. 11 in ziemlichem Einklänge und wir hätten nicht nothwendig, seine Nachricht zu anticiprren. Daß übrigens die Propheten die Ausübung des Rechts stets auf die Könige und Großen zurückbeziehen, beweist Nichts gegen das Dasein eines solchen Instituts; denn dasselbe stand immer unter dem Einstuffe der Könige, die sich die höchste Macht anmaßten und dasselbe nur zum Werkzeug der Ausführung ihrer Plane gebrauchten, wozu sie es zwangen, wie dies deutlich aus dem Vorgänge mit Naboth in Jisreel zu ersehen ist. Dieser wurde, durch den Ausspruch der Aeltesten hingerichtet, und doch traf die Drohung und die Strafe Gottes nur den König (Könige 21, 18), weil die That nur auf Veranlassung des Königs geschah.