Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 8 (August 1845)
- Date
- 1845-08-01
- Page
- Seite 302 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Ueber die Zeit der-Entstehung des Synhedrins. Zeit noch matte Bächlein-uns zusenden, sind oft so unklar, so sparsam und so seicht, daß sie in dieser Beziehung gar nichts Befriedigendes uns reichen. Alles, was daher über das Entstehen und Bestehen dieser Institute gesagt werden kann, ist und kann nur bloße Muthmaßung sein. Da aber selbst bei Muthmaßungen doch diejenigen einer sicherem und nähern Begründung entgegengehen können, die einen größern Grad von Wahrscheinlichkeit für sich haben; so stehen wir nicht an, auch unsere Hypothese über diesen Gegenstand der Erwägung und Prüfung der Gelehrten anheimzugeben, die unseres Erachtens durch die häufigen Analogien, die sie für sich in den jüdischen und außerjüdischcn Geschichtsbüchern findet, selbst vor dem Forum der Kritik sich einiges Recht der Gültigkeit verschaffen dürfte. Daß ein jüdischer Rath der Aeltesten oder eine yigavatu schon während des Befreiungskampfes der Makkabäer vorhanden gewesen, hat ein gelehrter Anonymus in den „Israelitischen Annalen" (Jahrgang 1839. Nr. 15 u. 17) aus mehrern Stellen in den Büchern der Makkabäer, unter welchen vorzüglich jene des 1. B. Mao. 12, 6. II. B. 11, 27 und Josephus' Alterthümer XIII. B. 4. Cap. §. 9 und 5. Cap. §. 8 von Gewicht sind, klar erwiesen; daß aber ein solcher Senat auch vor dem Befreiungskämpfe in Wirksamkeit war, mag der Brief des Antiochus des Großen beweisen, den Josephus im 3. Capitcl des 12. Buches der Alterth. §. 3 anführt, wo jener berichtet, daß während seines Einzuges in Jerusalem die Juden mit ihrem Senate ihm entgegen kamen (xal ,-kr« ,!!«’ tijg ytoovoiaq unuvrryiävTotv) und daß er dafür unter andern Belohnungen den Senat für steuerfrei erklärt habe (y.al ■>; yfoovolu xal itoiTg), Ferner (daselbst Üb. XI. cap. 8) läßt Josephus die yi-oovai'u dem Manasse, dem Bruder Jaddua's, den Befehl crthcilen, entweder die Fremde, die er geheirathet, zu entlassen, oder nicht das Heiligthum zu betreten. Es muß also zu Josephus' Zeiten eine ziemlich allgemein bekannte Tradition geherrscht haben, daß vor dem Befreiungskriege ein Rath der Aeltesten in Jerusalem an der Spitze des Volkes gestanden; und daß dieser, wie schon Herr vr. Jost im genannten Werke vermuthct, sein Entstehen den Restauratoren der ganzen jüdischen Volksthümlichkeit, dem Esra und Nehemia, zu verdanken habe*), soll sich in Folge unserer Untersuchung klar Herausstellen. *) Ueberhaupt scheint der frühere Einfluß der Aeltesten auf das Volk selbst wahrend des babylonischen Exils nicht ganz erloschen, und auch bei der Einwanderung SernbabelS noch in voller Kraft geblieben zu sein, wie dies aus Esra 3, 22. S, 5. 6, 14 erhellt. Denn wenn auch in de» historischen Büchern der heiligen Schrift, wie der gelehrte Herr Redacteur der Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums Heft V. S. 169 bemerkt, nirgend Erwüh-