Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 8 (August 1845)
- Date
- 1845-08-01
- Page
- Seite 297 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ueber manche durch den Fortschritt der Medicin im Judenthum rc. 297 h. Verordnung mittheilten, manche dieser religiösen Vorschriften an: und fügen wir hier nur noch in der Kürze bei, daß es der erste Grundsatz des jüdischen Glaubens ist, daß Menschenwohl und Menschenrettung über alle Gebote gehen (Talmud Ketubot k/19. Synhedrin. f. 74. und an andern Stellen), und -daß auch bei der Beschneidung hierauf die vorzüglichste Rücksicht zu nehmen sei (Llaimonides. Hilchot Mila c. 1. §. 18). Es wird also dieser Act nicht nur bei dem mindesten Anzeichen einer Gefahr verschoben und ist dem Beschneider aufs Schärfste untersagt, bei derartigem Bewandnisse die Beschneidung vorzunehmen (vgl. Talmud Lebabbat k. 137. Maimonides 1.1. §. 16 seqq. Jore-Dea, b. i. Codex für Ritualfälle, c. 262. §. 2. c. 263. §. 1), sondern es wird in Fällen, wo die Beschneidung das Leben bedrohen könnte, dieselbe vorschriftsmäßig völlig unterlassen (vgl. Talmud Jebainot. f. 69. Maimon. u. Jore-Dea 1.1.). Auch hinsichtlich der Operation selbst sind Regeln angegeben, wie diese mit der größten Schonung und der möglichsten Venneidung des Schmerzes auszuführen sei (ibid. ibid.) und wird selbst über das Verband nach der Beschneidung Manches bestimmt (ibid). Es ist hier noch anzusühren, daß bei einem durch undenkliche Zeit ausgeübten Act manche Handgriffe, manche technische Vortheile durch die lange Erfahrung von selbst erlernt werden, die auch die' auf Regeln und folgerichtige Entwickelung gestützte Wissenschaft nicht zurückzuweisen noch Besseres an deren Stelle zu setzen vermag. Nach dem Urtheile kundiger und praktischer Aerzte entspricht die bisher übliche Art der Beschneidung am beßten ihrem Endzwecke, und sollen die in letzter Zeit gemachten Vorschläge von Mangel an Praxis, von einer einseitigen theoretischen Auffassung zeugen. Wir wollen das Motiv näher hervorheben, das die s. g. Beschneider zur Uebernahme einer solchen Operation vermochte, und welche Folgen sich daran geknüpfte Es ist eine der schönsten Erscheinungen im Judenthume, daß es einen frommen Eifer, eine gewisse innere Freudigkeit für dieAusübung seiner Vorschriften zu erwecken wußte, so daß man in der Anstrengung selbst, in der Schwierigkeit der Ausführung einen hohen Lohn fand und vor inneren und äußeren Hindernissen nicht zurückwich. Es genüge hier mur zu erinnern an die bei den Juden mit so vieler Sorgfalt beachteten Liebespstichten gegen Kranke und Verstorbene. Ihrer Erfüllung liegt Jederman ob: der Besuch des Kranken, die Fürsorge für ihn ist eine allgemeine Vorschrift und hat die trefflichsten Vereine und Vergesellschaftungen von jeher erzeugt, deren Mitglieder die Ausführung solcher hohen Functionen sich zum Ziele setzen. Und mit welcher Pietät wird nicht der Liebesdienst gegen den Verstorbenen bei den Juden beobachtet! Die Bestattung ist nicht einem gewissen Stande anvertraut, es