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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-08-01 · 8 (August 1845) · p. Seite 296

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
8 (August 1845)
Date
1845-08-01
Page
Seite 296 (sequence 10)
Language
German
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296 Ueber manche durch den Fortschritt der Medici» im Judcnthum »crungen der Vorzeit ihr als Norm und Maßstab .aufdringen zu wollen, so scheint es von der andern Seite eine Ueberschätzung der Gegenwart, wenn man mit mitleidigem Blicke aus die Vergangenheit hinsieht und nur von ihrer Beschränktheit und Unerfahrenheit zu erzählen weiß. Der Mensch dachte zu jeder Zeit; und es ist eine Versündigung an dem Genius der Menschheit, die frühem Zeitalter verächtlich übersehen zu wollen, die lange Reihe der verschwundenen Geschlechter einer gewissen Gedankenlosigkeit leichtfertig zu zeihen, weil uns erst das Licht aufgegangen sei. Selbst über manche Anomalie der Vorzeit wird der gründliche und redliche Forscher ein tieferes Eingehen nicht zurückweisen; er sucht auch für die Abirrungen die Veranlassung auf, die denMenschen aus der ihm natürlichen, vernunftgemäßen Bahn Hinaustrieb. Dies angcwendet auf die Beschneidung israelitischer Kinder durch s. g. unkundige, d. i. nichtärztliche Individuen, so muß, ehe das Verdammungsurtheil gesprochen wird, der Genesis solchen Gebrauches um desto größere Aufmerksamkeit geschenkt werden, als hier eine keinem Wechsel der Zeit unterworfene Potenz, das Gefühl der Eltern für ihre Kinder, dem kein Einfluß der Aufklärung etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen vermag, sich geltend machen mußte. Woher kam es also, daß jüdische Väter nicht selbst darauf drangen, daß die Beschneidung nur Aerzten anvertraut werde? Sie hätte das tiefste Motiv treiben müssen: die mächtig mahnende Stimme der Natur, der Ruf der Vaterliebe, die nicht erst der äußern. Anregung bedarf, um mit ihrem Rechte hervorzutreten und jede Gefahr von dem Kinde abzuwenden. Und das Gesetz stand nicht im Wege: es verbot nicht die Beschneidung durch Aerzte, beschränkte nicht die Vollführung dieser Handlung auf Priester und Rabbinen, knüpfte nicht die Operation an einen gewissen Stand, machte sie nicht von einer besondern religiösen Weihe abhängig. Was vermochte also bisher die Eltern, ihr Vertrauen nichtarzlichen Männern zu schenken? Die Ueberzeugung, daß nur die tiefste Pietät diese Männer zur Ausübung dieses Actes anregte, daß die religiösen Vorschriften selbst mit der äußersten Genauigkeit Vorsichtsmaßregeln einschärfen, um jede Gefahr abzuwenden und sie selbst den Unbefugten aufs Nachdrücklichste von dieser Function zurückweisen, erweckte dieses Vertrauen: und es zeigte endlich die Erfahrung, die durch einzelne, seltene Ausnahmen, wie sie in jedem Zweige der menschlichen Kunst sich ereignen, nicht widerlegt werden konnte, daß diese s. g. Beschneider die völlige technische Befähigung zu dieser Operation erlangt, und daß ihre kunstgemäße Fertigkeit eine hinlängliche, beruhigende Garantie biete. Es führt die hierbei anliegende Beilage der dermaligen nichtärztlichen Beschneider, Herren M. Schie und I. A. Bondi, denen wir die

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