Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 8 (August 1845)
- Date
- 1845-08-01
- Page
- Seite 290 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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290 lieber manche durch den Fortschritt der Medicin im Judenthum »c. 2) Physiologische Gründe. Wenn das Aussaugen der Wunde nach Maimonides (Jad Hachasaka, Hilchot Mila Perek 2. §. 2) wirklich das Blut entfernen könnte, so würde dieß den allgemeinen physikalischen Gesetzen, welchen auch das Leben gehorcht, widersprechen. Ein unumstößlicher Satz besagt nämlich: Wo Reizung stattsindet, erfolgt Zufluß. Hiernach müßte also gerade der Andrang des Blutes nach dem Aussaugen vermehrt werden, die Blutströmung würde dem angebrachten Saugepuncte ebenfalls nach physikalischen Gesetzen folgen und in-den Durchmesser der Gefäße eindringen. Die Reinigung vom Blute und die Vermeidung der Entzündung, welche Maimonides beabsichtigte, würde aber gerade dadurch vereitelt, indem es jetzt ausgemacht ist, daß durch vermehrten Andrang und Stockung von Blutskügelchen in den Gefäßen erhöhte Reizung, Entzündung herbeigeführt wird. ~ 3) Patho logische. Gründe. Die Schädlichkeit dieser Gewohnheit zeigt sich auch durch die Möglichkeit besonderer krankmachender Einflüsse; diese beschränken sich aber nicht bloß auf das Kind, sondern ziehen selbst den Beschneider mit in ihr Bereich. a) Für das Kind entstehen Gefahren dadurch, daß der Speichel des Beschneiders,welcher eine krankhaft scharfe oder faulende Eigenschaft besitzen und dadurch die Wundränder reizen kann, in unmittelbare Berührung mit der Wunde kommt, daß scorbutische Schärfe, geschwiertge Absonderung aus cariösenZähnen, eigenthümliche Ranzigkeit bei Krankheiten des Magens der Speicheldrüsen im Munde und Unterleib und speeifisch Verderbniß durch besondere Gewohnheiten (Tabakrauchen) und Speisen (namentlich in Polen und Rußland) dadurch auf eine offene Fläche des kindlichen Organismus eingepflanzt werden können, welcher zur Aufnahme krankhafterStoffe an sich empfänglich, durch die eben erhalteneWunde noch mehr (allgemein und lokal) prädisponirt wird. Bei herrschenden Epidemieen ist auch hierdurch vielleicht die Mundschleimhaut, der Speichel u. s. w. als Träger eines Contagiums zu betrachten. Am offensten aber liegt vor uns der Nachtheil durch Ansteckung mittels im Munde des Beschneiders befindlicher Geschwüre scorbutischer, krebsartiger, herpetischer, merkurjeller, syphilitischer Art. Wie groß ist der Nachtheil durch ganze Folgereihen der Ansteckung hindurch! wie schwer zu vermeiden! wie ohne örtliche Besichtigung des Beschneiders oft unmöglich die Erkenntniß solcher Zustände! (Vgl. hierüber bei Salomon: Die Beschneidung rc. 1844. S. 65. das Beispiel von Rust.) Und wie leicht ist selbst ohne Wissen und mit voller Unschuld des Beschneiders (z. B. nach dem Gebrauch von Calomel u. s. w. gegen unschuldige Uebel) die Jnfection! *) Maimonides frei- *1 Der mitunterzeichnete vleljährige Beschneider E. Collin hat zunächst auf "diese Gefahr in seiner bei L. Schreck erschienenen Schrift aufmerksam gemacht.