Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- Seite 287 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Noch etwas zur Verständigung. 287 ständniß Andrer, wie hoch dasselbe auch über dem meinigen stehe, noch in dem Inhalt eines Buches, das ich nicht kenne, oder nicht verstehe. M e in persönliches, mein gegenwärtiges Bedürfniß ist es, dem meine Religion genügen soll, und nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart habe ich zu befragen, um zu erkennen, ob meine Religion und mein inneres Bedürfniß in Uebereinstimmung mit einander seien. Das Judenthum aber erkennt mehr als jede andere Religion den Beruf jedes Einzelnen an, seine Religion ganz und ungetheilt in sein Gemüth aufzunchmen, und ohne fremde Vermittelung mit seiner Persönlichkeit, mit seiner individuellen Empfindung in das Leben derselben einzugehen." Das Verhaltniß dieses Autors zum pofitiven Judenthum .ist hiermit scharf genug bezeichnet; man könnte höchstens darauf aufmerksam machen, daß das Judenthum zwar keine Glaubenstribunale, keine Jnquisttion kennt, also „jeden nach seiner Fa^on selig werden läßt," deßwegen aber nicht Alles, was Jemand und sei er auch ein Jude in seinem Gemüth findet, als jüdisch anzuerkennen verpflichtet sei. Gesetzt, Herrvr. Stern fände in seinem Gemüth das Bedürfniß-nach einem Mittler zwischen ihm und .Gott, u. dgl., so stände er mit diesem Glauben außerhalb derjenigen Religion, die Judenthum heißt, weil nach den Lehren dieser Religion kein Mittler zwischen Gott und seinem Geschöpf angenommen werden kann. — Wenn ein anderes Mitglied des Vorstandes der Genossenschaft fich (in der Generalversammlung vom 4. Juni laut Bericht in der Voss. Zeit, vom 6. Juni) dahin ausspricht, das Hauptjuwel des Judenthums sei die Anbetung eines einzigen ewigen Gottes; „dies habe man, alles übrige sei mehr oder weniger nebensächlich," so müssen wir wieder sagen, daß hiermit aus der Anschauung des pofitiven Judenthums, das nicht alles Andere nebensächlich betrachte, herausgetreten sei. — Herr Simion wird es uns daher nicht verargen, wenn wir seine Interpretation nicht als die allgemein gültige, ja nicht einmal — wie wir bald sehin werden — als die der Majorität betrachten. Jndeß, der Streit über den Aufruf hat aufgehört, die Gesammtheit der Berliner Mitglieder hat ihn selbst antiquirt. In der gedachten Generalversammlung vom 4. Juni, der ersten überhaupt, in der die Versammlung ihre eigene Meinung abzugeben hatte, ist das Grundprincip des Aufrufs, die Berufung einer Synode, de facto desavouirt worden, indem mit einer Majorität von 110 gegen 59 beschlossen worden, noch vor Berufung einer Synode einen Gottesdienst einzurichten. Wenn wir diesem Beschlüsse eine solche Wichtigkeit beilegen, so handeln wir ganz im Sinne des Herrn Simion, welcher (nach demselben Bericht in der V. Z. vom 6. Juni) aussprach: „Er fühle das dringende Bedürfniß eines geregelten Gottesdienstes; allein führe man ihn schon jetzt in Berlin ein, so stehe zu befürchten, daß die Reform darin abschließen werde. An anderen Orten würde man Nachfolgen, und statt eines großen gemeinsamen deutschen Judenthums würde man >ine Reihe kleiner Judenthü-