Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- Seite 285 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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'Noch etwas zur Verständigung. 285 meine Ueberzeugungen zu wenig Einfluß, als daß mein nochmaliges Erscheinen in diesem Kreise, dem Motive zugeschrieben werden könnte, daß ich der Welt sagen wolle, sie habe sich Ln mir getäuscht, und diesem ihrem falschen Urtheile könne demnach vorläufig meine Überzeugung sich nicht gefangen geben. Auch nicht die — höchst würdig und sogar freundlich gehaltene — Beurtheilung meiner Schrift durch Hrn. Dr. B. Beer konnte mich bewegen, diese hier noch einmal zur Sprache zu bringen, und genügt es, um mit dem Herrn Recensenten in Einverständniß zu sein, ihn daran zu erinnern, daß Sprechfreiheit nicht-bloß darin besteht, daß man sagen kann, was man will, sondern auch, daß man nicht zu sagen braucht, was man nicht will. Es hat mir beliebt, der Welt von den jetzigen Berliner und ähnlichen Reformbestrebungen zu erzählen; meine Ansichten darüber, ob, wie und in was reformirt werden soll, darzulegen, beliebt es mir auch heut noch nicht, weil ich dazu-keinen Berus verspüre; und — wie gesagt — der Welt sehr wenig daranlliegen mag. - Gegen meine Schrift aber und gegen die Leser derselben habe ich die Verpflichtung, aus der Geschichte des Berliner Vereins in den seitdem verflossenen zwei Monaten diejenigen Momente hervorzuheben , welche die Grundanschauungen meiner Schrift als richtig und sachgemäß zu bezeichnen scheinen; und das soll hier in möglichster Kürze geschehen. Wenn, wie so häufig ausgesprochen worden , der heiße Durst nach Reform des Judenthums so allgemein ist, so dürfte es doch Wunder nehmen, daß sich dem Berliner Aufruf eine so unverhältnißmäßig kleine Anzahl Juden angeschloffen, obgleich derselbe — gleichviel auf welche Weise — überall hin verbreitet worden. Von den beiden Ursachen, die nach meiner Meinung hier gewirkt, hat der Herr Herausgeber die eine schon in dem Maiheste berührt, und die hierauf erfolgte Erklärung des Herrn Simion hat nicht alle Zweifel gelöst, selbst wenn sie nicht als bloßer Ausdruck eines Mitgliedes zu betrachten wäre. Die Unbestimmtheit und Principlosigkeit im Auftuf ist das erste Hindern iß einer Aufnahme in die Masse. Daß des Talmud keine Erwähnung geschieht, ist nicht nur kein Verdienst, sondern ein Fehler; größer noch der, daß von der Lossagung von einem Coder die Rede ist, und nicht gesagt wird, welcher Coder gemeint sei. Die dabei angegebenen Merkmale — abgerechnet, daß sie an sich nichtssagend sind, wie auch S. 31 meiner Schrift gezeigt — Passen eben so gut auf den Pentateuch, wie auf die Mischna, den Talmud, die Halachoth Gedoloth, denJad chasaka, den Sefer Mizwot, die Arba Turim, den Schulchan Aruch u. s. w. — Man hat es ohne Zweifel Jedem, der unterschreiben sollte, gesagt, es sei der Schulchan Aruch gemeint; aber war es da nicht viel angemessener zu sagen: „Wir erkennen den S. A. nicht in allen Punkten für verbindlich an." Eine solche rinfache, kurze, bestimmte Sprache wäre dem Aufruf überall zu wünschen gewesen, während